DETAILS

Interpret:
Yo La Tengo

Plattentitel:
Popular Songs

Label:
Matador / Beggars / Indigo

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
6.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Dominik Knauf
Köln, 14.09.2009

PLATTENKISTE

Yo La Tengo - Popular Songs

Yo La Tengo - Popular Songs

„Schuster, bleib bei deinen Leisten“. Das müssen sich auch Yo La Tengo gedacht haben, denn obwohl ihr Album „Popular Songs“ heißt, biedert sich das Trio aus Hoboken nicht etwa an moderne Chartshörgewohnheiten an oder macht gar auf R&B oder HipHop (seit Chris Cornells jüngstem missratenem Soloalbum sind solch schmerzhafte Hirngespinste ja gar nicht mehr so abstrus). Nein, wie schon auf den Vorgängeralben bewegen sich Yo La Tengo nach wie vor in ihrem eigenen Universum, für das man Ende der Achtziger extra den Begriff „LoFi“ erfand. 

Das wirklich Überraschende an „Popular Music“ ist die Tatsache, dass einen dieser musikalische Stillstand, den man in einer positiven Umschreibung auch als „Perfektion eines bandinternen Sounds über die Jahre“ definieren könnte, nicht weiter stört. Als größte Errungenschaft muss man an dieser Stelle die Streicher in „Here To Fall“ anführen, die mit ihrem Nigel Godrich-Touch an alte B-Movie-Science-Fiction-Filme erinnern. Auch die unauthorisierte Belle-&-Sebastian-Hommage „If It‘s True“ setzt ein Ausrufezeichen und verzückt mit einem Vintage-Motown-Groove, der jedoch durch die monotonen Stimmen Ira Kaplans sowie Georgia McNews auf augenzwinkernde Weise gebrochen wird.

Ansonsten gibt es auch auf „Popular Music“ wieder zur Genüge verzerrte Feedbackgitarren und Garagenpunkattacken, die sich nahtlos mit Momenten des harmonischsten Wohlklanges ablösen, die in der Gesamtheit vom Gesamtkatalog Yo La Tengos geschluckt werden wie von schwarzen Löchern, ohne dabei wirkliche Ausrufezeichen setzen zu können. Dafür wagen sie einfach zu wenig, auch wenn sie zum Schluss mit „More Stars Than There Are In Heaven“, „The Fireside“ und „And The Glitter Is Gone“ drei Songs setzen, die zusammen so lang sind wie die restlichen neun Songs. Dabei kommt jedoch auch nicht viel mehr herum als 11 Minuten filmmusikalisches Gewaber oder 16 Mintuen Feedbackorgie.

„Popular Music“ wird Yo La Tengo keine neuen Fans gewinnen, doch es wird dafür sorgen, die alten Bewunderer bei der Stange zu halten und ihnen das ein oder andere Lächeln der Erinnerung abzuringen. Vielleicht ist dieses Album auch nur der Zwischenschritt, das letzte Innehalten vor einem erneuten großen Wurf, der uns alle überraschen wird. Bis dahin müssen wir uns wohl mit den Condo Fucks begnügen, wenn wir uns von Yo La Tengo überraschen lassen wollen.


 

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