DETAILS

Interpret:
Wild Beasts

Plattentitel:
Two Dancers

Label:
Domino / Indigo

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.5 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 07.09.2009

PLATTENKISTE

Wild Beasts - Two Dancers

Wild Beasts - Two Dancers

Ein altes Theater, irgendwo in einer dunklen, regennassen Seitengasse. Zwei knallbunte Paradiesvögel schlendern engumschlungen am morschen Eingang vorbei, ohne Augen für das rege Treiben um sie herum zu haben. Das flackernde Neonschild über dem Eingang reflektiert sich in einer schmutzigen Wasserpfütze, so dass man spiegelverkehrt den Namen der Band lesen kann, die heute hier auftreten wird: stsaeB dliW.

Vorhang auf für die Wild Beasts und ihren zweiten Akt. Nach ihrem letztjährigen Debüt „Limbo, Panto“ hat das Quartett aus Leeds nun zum ganz großen Wurf ausgeholt und eine perfekte Symbiose aus Theatralik und tanzbaren Rhythmen geschaffen, so gewaltig und groß, dass einem nach dem ersten Hören vor lauter Wohlklang die Ohren klingeln. Dabei könnte das Konzept mit zwei Sängern, wovon einer immerzu in glockenklarem Falsett singt (Hayden Thorpe), während sich der andere um die tiefen Töne kümmert (Tom Fleming) leicht scheitern, wenn die Songs nur eine Spur zu angestrengt, zu gekünstelt klingen würden. Doch die Wild Beasts begehen nicht den Fehler, Kunst mit Künstlichkeit zu verwechseln und liefern mit einer jugendlichen Leichtigkeit ihr bisheriges Meisterstück ab.

Natürlich ist es in den Songs auf „Two Dancers“ immer dunkle Nacht, jedoch in seinen verschiedensten Variationen. Da sitzt ein asketischer Morrissey-Jünger in seinem abgedunkelten Zimmer vor seinem Computer („This Is Our Lot“), während man selbst in „The Fun Powder Plot“ einsam und angetrunken mit einem melancholischen Schleier vor den Augen die Straßenbahn nach Hause nimmt. Zeitgleich versucht jemand Anderes im sexuell aufgeladenen „Hooting And Howling“ noch eine Bekanntschaft für ein paar Stunden zu finden. Die Gitarren zucken wie tanzende Körper, der Bassist hat sein Effektpedal aus dem Zauberladen auf „Disco“ gestellt, während Hauptdarsteller Thorpe sich wie eine Diva aus längst vergessenen Tagen mehr und mehr in Ekstase singt. Immer bedacht darauf, dass das Make-Up nicht verläuft.

Man sollte schon eine gewisse Vorliebe für außergewöhnliche Stimmen im Stile von Antony Hegarty mitbringen, damit „Two Dancers“ seine volle, berauschende Wirkung entfalten kann. Doch dann wird man Songs wie „We Still Got The Taste Dancing In Our Tongues“ sofort in sein Herz schließen. Ein Song, der in seiner Widersprüchlichkeit prädestiniert dafür ist, in einem kleinen Club gespielt zu werden, nur um ihn zeitgleich auf metergroßen Leinwänden in einem Fußballstadion zu sehen und zu hören. Doch nicht alles ist eitle, hedonistische Feierei. „Underbelly“ beispielsweise ist eine Traumsequenz aus echoverzerrtem Klavier und Glockenspiel, aus der man nach knapp zwei Minuten wie aus einem schönen Traum viel zu abrupt erwacht. Die harsche Realität in Gestalt von „Empty Nest“ erweist sich jedoch als weiches Bett, in dem man mit verschlafenen Augen zu einem sonnigen Morgen erwacht.


 

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