Interpret:
Wavves
Plattentitel:
King Of The Beach
Label:
Bella Union / Cooperative Music / Universal
VÖ:
30.07.2010
Punkte:
6.5 von 10
Autor:
Tobias Wecker
Düsseldorf, 26.07.2010
Da ist er, der nächste potentielle Indie-Sommerhit 2010. „King Of The Beach“ heißt er und eröffnet das dritte Album der Wavves. Bier trinkend am Strand liegen, zwischendurch vielleicht surfen oder zumindest den Surfern beim Surfen zugucken und dazu diese Hymne. Bleibt zu hoffen, dass kein Marketingstratege so genannter „Lifestyle“- Produkte diesen Hit für sich entdeckt und ihn in einem Werbeclip verwurstet.
Schon bei diesem furiosen Auftakt wird klar, dass Wavves hier mehr vorhaben, als ihre beiden ersten Alben noch einmal neu aufzukochen. Aus Sicht von „normalen“ Gitarren-Bands würde das hier zwar immer noch absolut unter Lo-Fi laufen, im Falle von Wavves gelten diesbezüglich aber andere Maßstäbe. Bestanden die beiden Vorgängeralben zum großen Teil aus kahlen, auf vier Spuren aufgenommenen Skizzen und Ideen, lassen sich auf „King Of The Beach“ tatsächlich zwölf echte Songs finden. Natürlich ist das hier zum großen Teil noch immer dreckig, rau und grob. Trotzdem: man hört, dass erstmals nicht auf dem Laptop von Bandleader Nathan Williams produziert wurde, sondern von Vollprofi und Perfektionist Dennis Herring, immerhin Produzent von Modest Mouse. Laut eigener Aussage wollte Anti-Perfektionist Williams diesen mehrmals erwürgen.
Auch abgesehen von dem Titeltrack gibt es einiges zu entdecken. Williams zeigt weiterhin seine Liebe zum Soul der 60er-Jahre und zum Punk. So auch beim zweiten großen Hit dieses Albums, „Green Eyes“, eine dieser textlich wie musikalisch ziemlich simpel gestrickten Nummern, die einen sofort packen und den Kopf automatisch zum heftigen Nicken bringen. Dazwischen mischen sich für Wavves-Verhältnisse ab und an geradezu experimentelle Lieder, die man so wirklich nicht erwartet hätte. Einige, wie das psychedelische „Baseball Cards“ sind gelungen, andere, wie das etwas seichte „Convertable Balloon“ dagegen verzichtbar.
Insgesamt haben die Wavves die Stärken der Vorgängeralben, nämlich Direktheit und Ruppigkeit, beibehalten. Gleichzeitig sind Williams und seine beiden Bandkollegen einen Schritt weitergegangen und haben daraus echte Lieder formuliert. Daraus entstanden ist ein vielleicht nicht besonders lang anhaltender, dafür umso kurzweiligerer Spaß. Nicht nur die Surfer unter uns wird das freuen.
Video: „King Of The Beach"
Yourstru.ly Presents: Wavves "King of the Beach" from Yours Truly on Vimeo.