Interpret:
Various Artists
Plattentitel:
Murder - Songs From The Dark Side Of The Soul
Label:
Trikont / Indigo
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
8.5 von 10
Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 08.02.2010
Sprechen wir über alte Musik. Sprechen wir über Trikont. Eben jene Plattenfirma ist nicht nur Deutschlands ältestes Indielabel, sondern neben Bear Family wohl sicher auch der unangefochtene Fachbetrieb in Sachen pophistorischer Compilations. Titel wie „From The Closet To The Charts - Queer Noises 1961-78" oder „Creative Outlaws - US Underground & Psychedelic Rock 1962 - 1970" sollten in keinem gut sortierten Musikliebhaber-Plattenschrank fehlen.
Die neuste Veröffentlichung übertrifft manches im Repertoire sogar noch ein bisschen. „Murder - Songs From The Dark Side Of The Soul" ist eine dunkle, abgründige und verruchte Schatzruhe. Gewidmet dem Mord und Fantasien, die mit diesem Kapitalverbrechen zusammenhängen. Gewidmet außerdem dem Blues,Gospel, R'n'B, Hillbilly und Calypso der 30er- bis 50er-Jahre. Man muss kein Plattensammler sein, um zu erahnen, welche Mühen und Finanzmittel es mitunter kosten kann, solche vergessen geglaubten Vinyl- oder Schellackschätze aus den Tiefen der Popkulturgeschichte zu bergen. Es muss vor allem eine Herzensangelegenheit sein, wenn man ein solches Projekt realisiert und die Ergebnisse dann auch noch so reich mit Bildern und Texten ergänzt, wie im umfangreichen Booklet zu dieser Compilation. Doch auch und besonders der akustische Teil von „Murder" begeistert.
Reihenweise in breiter Musiköffentlichkeit oftmals in Vergessenheit geratene Wegbereiter und Grundsteinleger sind hier versammelt. Egbert Moore alias Lord Executioner etwa zählt zu den frühen Ausnahmeerscheinungen des Calypso und war in den Dreißigern nicht nur in der Karibik bekannt. Im rumpelnden „Seven Skeletons Found In The Yard" erzählt er eine Schauergeschichte. Billy Boy Arnold dagegen spielte im Teenageralter in der Begleitband von Bo Diddley und man kann den Einfluss seines ehemaligen Bandleaders im treibenden Blues „Prisoner's Plea" deutlich hören. Auch die „Kaiserin des Blues" Bessie Smith ist vertreten. „Take Me To The 'lectric Chair" ist eine packende und tragische Mörderinnenballade aus den USA der späten Dreißiger. Die durchdringenden Stimme entspricht der beeindruckenden Erscheinung der Sängerin, wenn sie spöttisch bitter den Chorus intoniert: „Sweet Mister Judge/ send me to the 'lectric chair".
Man könnte die Aufzählung der Entdeckungen beliebig fortsetzen, aber bei einer Liste von 23 Titeln sei doch lieber empfohlen, selbst nachzuforschen. „Murder" entführt mit rohen, rauschigen und beseelten Aufnahmen in eine Welt der Mörder und Banditen.