DETAILS

Interpret:
Vampire Weekend

Plattentitel:
Contra

Label:
XL / Beggars / Indigo

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 18.01.2010

PLATTENKISTE

Vampire Weekend - Contra

Vampire Weekend - Contra

So in etwa hat man sich das Ganze auch ausgemalt. Nach dem Erfolg des Debüts sitzt Ezra Koenig nun irgendwo in Mexiko und schlürft im gleichnamigen Stück in aller Seelenruhe eine Horchata (ein spanisches Erfrischungsgetränk). Doch der Schein trügt, es ist Dezember, klirrend kalt und Koenig sieht irgendwie psychotisch aus mit seiner Balaclava (einer Art Sturmhaube).

Es sind diese Widersprüche, hier aufgezeigt am Text von „Horchata", die Vampire Weekend vor zwei Jahren wie aus dem Nichts auf die musikalische Landkarte hievten. Afrikanische Rhythmen gepaart mit der Coolness einer New Yorker Newcomerband, auf diesen Nenner wurde das Quartett damals teilweise reduziert. Wer nach dem Hören des Debütalbums noch die Befürchtung hatte, dass Vampire Weekend nur eine durch die Hype-Maschine aufgebauschte Eintagsfliege wären, dem wird an dieser Stelle gehörig der Wind aus den Segeln genommen. Man hätte es nicht für möglich gehalten, doch Multiinstrumentalist Rostam Batmanglij hat es tatsächlich geschafft, aus seinem unsäglichen Nebenprojekt Discovery die ein oder andere gute Idee, die ein oder andere elektronische Spielerei, zu destillieren, die „Contra“ zu einer abwechslungsreicheren Angelegenheit macht als das Debütalbum. Zugegeben, Batmanglij sollte langsam einsehen, dass der Einsatz von Auto-Tune weder zu Discovery noch zu Vampire Weekend passt. Durch diesen Effekt klingt der Song „California English“, so elaboriert er mit seinem Streicherpart auch angelegt sein mag, wie eine billige Bollywood-Klatsche aus einem alten funktionsuntüchtigen Ghettoblaster.

Doch dies ist auch der einzige, winzige Ausrutscher, den sich Vampire Weekend geleistet haben. Die restlichen Stücke sind von einer schier überbordenden Farbenfreude, in der die verschiedensten Weltmusikstile Hand in Hand gehen, so als wären die Kontinentalplatten vor abermillionen Jahren nicht voneinander gedriftet. Dabei werden diese Elemente jedoch nicht lieblos wie Fremdkörper an den eigentlichen Song geklatscht, sondern sie fügen sich zu einem homogenen Ganzen, wie im nervös zuckenden „Holiday“, das die Grenzen komplett verschwimmen lässt.

„Taxi Cab“ gehört in seiner ganzen kammermusikalischen Nachtschwärze mit zum Besten, was Vampire Weekend je aufgenommen haben. So als hätten sich Hot Chip eines Winterabends im Central Park verlaufen und würden nun versuchen, anhand eines sachten Computerbeats Kontakt zu einem Streichquartett in Brooklyn aufzunehmen. Dann wird es plötzlich wieder Tag, die Band spielt sich im halsbrecherischen „Cousins“ im doppelten Tempo wie in einem fremdländischen Karnevalsumzug durch die Straßen. Was genau Vampire Weekend auf „Contra“ machen, bleibt dabei schwer zu bestimmen. Ist „Diplomat's Son“, mit seinem genialen Verschleppen des Beats in der Mitte des Songs, etwa noch brasilianischer Baile Funk oder dank des scheppernden Klaviers schon jamaikanischer Dancehall mit R&B-Anleihen? Ganz egal wie man es nennen mag, Vampire Weekend zünden mit „Contra“ die nächste Stufe, klingen reifer und selbstsicherer. Oder um es mit den Worten des Schlagzeugers Chris Tomson zu sagen: „I think we sound more like Vampire Weekend than we did on the first record.“ Was auch immer das bedeuten mag.

Video: „Cousins“

 

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