DETAILS

Interpret:
TV On The Radio

Plattentitel:
Dear Science

Label:
4AD / Beggars Group / Indigo

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
9.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 05.10.2008

PLATTENKISTE

TV On The Radio - Dear Science

TV On The Radio - Dear Science

Am meisten dürfte sich David Bowie über dieses Album freuen. Der bekannteste Fan der Brooklyner TV On The Radio hat, bewusst oder unbewusst, tiefe Spuren im Sound der Band hinterlassen. Die kaskadischen Gitarren des Openers „Halfway Home“, die in ihrer bedrohlichen Bandbreite die Erinnerungen an die Vorgängeralben wecken. Die verspielt-wuchtigen Bläsersätze in „Red Dress“. Doch am ehesten lässt sich der Einfluss am Gesang Tunde Adebimpes anhören, der stimmlich dem Thin White Duke sehr nahe kommt. In „Stork & Owl“ klagt Adebimpe wie ein an Sauerstoffmangel leidender Ziggy Stardust. Der dazugehörige Song klingt dementsprechend wie eine fehlgeleitete Raumodyssee in ihren letzten ruhigen Sekunden, kurz bevor der Kapitän auf den Selbstzerstörungsknopf drückt. Ein Innehalten, ein kurzer Blick auf die Erde, dann wird alles schwarz.

Es gibt auf „Dear Science“ mehrere Momente dieser schieren Schwerelosigkeit. „Family Tree“ ist eine weitere, mit luftigen Streichern arrangierte Lehrstunde im unbemannten Raumflug, genau wie „Love Dog“, das mit relativ geringen Mitteln (ein kontrolliert-unkontrolliert ausbrechender Drumbeat, eine erschütternd weinende Spaceorgel, eine metaphysische Gesangslinie Adebimpes) eine nahezu betäubende Wirkung erzeugt.

Wie mit dem Seziermesser hat der neue große Mann am Produzentenhimmel David Sitek seine Vision eines glasklaren Sounds entworfen, der sich jedoch in allerlei Effekten bricht und somit an Tiefe gewinnt. Es ist kein Wunder, dass Sitek das neue Massive Attack-Album produzieren soll, man hört die Leidenschaft dieses Mannes in jedem Ton, wenn er beispielsweise das vibrierende „Shout Me Out“ mit einem leichten Reggae-Beat unterlegt.

Neben all den nebulösen Weltraumassoziationen haben TV On The Radio die ein oder andere „bodenständige“ Melodie dazwischengepackt. „Crying“ ist eine vergleichsweise schnörkellose Angelegenheit und „Dancing Choose“ eine Ohrwurmsingle, die schon jetzt „Wolf Like Me“ den Rang als Publikumsfavorit ablaufen könnte.

„Dear Science“ ist um einiges eingängiger als seine beiden Vorgänger, ohne dabei den künstlerischen Anspruch zu verraten. Die Apokalypse, die TV On The Radio auf dem Vorgänger „Return To Cookie Mountain" noch farbenfroh besangen, scheint überstanden. Ab jetzt gilt es als gesichert: Es gibt Leben auf dem Mars.


 

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