Interpret:
Trembling Bells
Plattentitel:
Abandoned Love
Label:
Honest Jon's / Indigo
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
9.0 von 10
Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 24.05.2010
Prolog:
Ein Samstagvormittag. Zwei Menschen in Vorbereitung des Frühstücks. Man hört neue Alben, tauscht Meinungen aus. Plötzlich, ein Stimmungswandel: ein breites Grinsen trifft auf blankes Entsetzen. „Ich denke, das ist die beste Platte, die ich dieses Jahr bisher gehört habe", kommentiere ich und ernte ein aufrichtig erschüttertes: „Meinst du das ernst? Das finde ich ganz furchtbar!" Kaum ist der Song verklungen, hat meine Freundin ihre Jacke in der Hand und ist sichtlich froh, mit dem iPod bewaffnet Brötchen holen zu gehen.
Dieses Album ist ein Fall von lieben oder hassen. Mich haben die Schotten Trembling Bells mit „Abandoned Love" von der ersten Sekunde an eingefangen. Hier verschmelzen Einflüsse aus Folk und Psychedelic Rock mit Mittelalterklängen, irischen Traditionals und Pop. Trembling Bells bringen es fertig, einerseits der britischen Folkband The Pentangle oder den Byrds zu huldigen und sich im selben Song vor Jimi Hendrix, den Yardbirds und Lee Hazelwood zu verneigen. Eine Vorliebe für den Klang der späten Sechziger sollte man daher wohl mitbringen, denn diese Produktion ist alles, nur nicht zeitgemäß.
Ein weiterer Stolperstein ist die Stimme von Sängerin Lavinia Blackwall. Mal um Mal schwingt sie sich in schwindelerregende Höhen und mag dabei nicht immer alle Töne makellos treffen. Ihre Talente sind Leidenschaft und Hingabe, da verzeiht man leichte technische Mängel gerne. Letztlich trägt gerade der eigenwillige Gesang viel zur Wirkung von Stücken wie „Adieu, England" bei. Auch in „Baby, Lay Your Burden Down" ist es der weibliche Part, der theatralisch eröffnet, bis nach einigen Minuten männliche Unterstützung und ein Chor hinzukommen und sich das Lied vom Folk dem Gospel zuwendet.
Das Album schwebt zwischen Melancholie und Hoffnung, das verrät bereits ein flüchtiger Blick auf die Titelliste. „Did You Sing Together?", fragen Trembling Bells und geben die Antwort mit dem beschwingten Duett „Love Made An Outlaw Of My Heart". Man denkt an Lee Hazlewood und Nancy Sinatra auf ihrem Weg nach Jackson. Das finale „You Are On The Bottom (And The Bottle's On My Mind)" fasst die Thematik der Platte schließlich noch einmal zusammen.
Obgleich mir sehr bewusst ist, dass ich mit dieser Meinung relativ alleine dastehen könnte, nenne ich Trembling Bells mit Freude meine persönliche Entdeckung des Jahres. Wer sich in jüngerer Vergangenheit an Edward Sharpe & The Magnetic Zeroes oder Erland & The Carnival erfreuen konnte, mag gefallen an dieser Band finden.