Interpret:
Toro Y Moi
Plattentitel:
Causers Of This
Label:
Carpark / Indigo
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
8.0 von 10
Autor:
Michael Weber
Köln, 22.02.2010
Haltet euch fest. Eine neue Welle wird auf uns zurollen. Eine Welle an Bands und Interpreten, die obwohl sie alle fast alle gleichzeitig ihre Werke veröffentlicht haben, schon jetzt so etwas wie einen Stil, ein Genre etabliert haben. Verrückt, denn eigentlich dauert es ja bekannetrmaßen, bis sich Journalisten und Öffentlichkeit den Querverweis-Kosmos ausgelotet und dem Kind einen Namen gegeben haben. Naja, einen Namen hat wohl noch niemand so recht parat, aber immerhin lässt sich sagen, dass da ein ganzes Aufgebot an Interpreten gerade an einem Sound der Stunde feilt, der nur darauf wartet endlich in der gesamten Welt seine Zuhörer zu finden. Der 23 jährige Chaz Bundick aka Toro Y Moi aus South Carolina ist da hoffentlich vorerst nur die Sperspitze, die bei uns Veröffentlicht wird. Washed Out, Neon Indian, Small Black, Class Actress und Letting Up Despite Great Faults stehen ebenfalls bereits in den Startlöchern und scharren mit den Hufen.
Um bei der Beschreibung jenes Klangs zu bleiben, empfiehlt es sich, diesen mit dem Namen des Ein-Mann-Projekts Washed Out zu beschreiben. Toro Y Moi bleibt mit seinem elf Songs umfassenden Debüt „Causers Of This“ davon nicht unberührt. Ausgewaschene Synthesizer-Melodien prallen auf dumpfe Drumcomputer-Beats und zittrige Effekthaschereien (gerne zerhackte Samples jeglicher Art). Dazu gesellt sich eine eher in den Hintergrund gemischte Gesangstimme, die wie mit einem Gewandt aus verschleiernden Filtern in unser Ohr dringt. Es wird viel geflirtet mit den 80er-Jahren und kleinere Affären mit R&B, French House, HipHop und Minimal eingegangen. Toro Y Moi und Konsorten kreieren mit diesem Mash-Up ein Bild, welches ich jetzt mal ganz pauschal und recht unspektakulär als staubigen Synthesizer-Indie-Dream-Pop benennen möchte.
Bemerkenswert am Klang von „Causers Of This“ ist, dass sich keines der eingesetzten Instrumente oder gar ein Effekt aufdrängt und in den Vordergrund stellt. Ja, es ist ein wabernder Brei aus Rhythmus und Melodie, der sich da ganz harmonisch von der Eröffnungsnummer „Blessa“ in das folgende „Minors“ zieht. Träumerisch wird man sich in den soften Klängen von „Causeres Of This“ verlieren und verhalten durch den Raum gleiten. Die Euphorie ist zwar vorhanden, wird aber auf ganz kleiner Flamme gekocht. Eine Party wird man damit also nicht unbedningt befeuern können, sieht man einmal von den antreibenden Nummern „Low Shoulder“ und „Lissoms“ ab, wohl aber zu einer ganz angenehmen Atmosphäre unter guten Freunden beitragen. Ganz so wie im Video zu „Blessa“.
Kurzum: „Causers Of This“ ist für ganz große Gefühlsstürme einfach zu laid-back und träumerisch. Dass einem unter diesem Umständen auch gerne J Dilla durch den Kopf geistert, ist da nur gewolltes Element von Toro Y Moi. Das schleppende „Fax Shadow“ oder das leicht leiernde „Freak Love“ mit ihren holprigen Rhythmen, den zerhackten Samples und Budnicks schwelgender Stimme sind bei diesem Vergleich ganz herausragende Nummern. Es ist aber auch die dröge wirkende Bass-Lastigkeit mit ihren für die Ohren so angenehm klingenden Läufen, die einen Vergleich zum verstorbenen Großmeister des HipHop zulassen. Aber auch vor Funk-Anleihen macht Chaz Budnick keinen Halt. Mit dem etwas aufgedrehten Titel-Song, „Causers Of This“ schlägt er einen ganz eleganten Haken und rundet sein Debüt somit ab. Für mich steht schon jetzt fest, dass 2010 das Jahr der großen Träumereien wird, die vieles Vergangenes in sich aufsaugen und einer so wohl klingenden Form durch den Synthesizer-Quark gezogen wieder preisgeben. Und Toro Y Moi ist unter jenen Interpreten des Klangs der Stunde einer der wichtigsten.
Video: „Blessa“