Interpret:
Tori Amos
Plattentitel:
Midwinter Graces
Label:
Universal
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
6.5 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 14.12.2009
Weihnachtszeit - Best-Of-Zeit! Diese Formel hielt viele Jahre und auch in diesem Jahr werden sich unter den Weihnachtsbäumen der Republik wieder die ein oder andere Greatest-Hits-Compilation renommierter Künstler finden, die der schnellen Mark nicht abgeneigt sind. Also alles wie gehabt.
In den letzten Jahren gab es aber noch einen weiteren Trend zu beobachten, der in diesem Jahr ganz besonders ins Auge fällt: Das Weihnachtsalbum. Künstler, die sich auf einem kompletten Album mit dem Thema Winter und Weihnachten beschäftigen gab es zwar schon immer (selbst Phil Spector hatte seine Weihnachtsplatte), doch erst durch Veröffentlichungen von Sufjan Stevens („Songs For Christmas“) oder Aimee Mann („One More Drifter In The Snow“) wurde der Muff, der solchen Veröffentlichungen spätestens seit Mariah Careys „Merry Christmas“ anhaftete, mit einem Schlag weggewischt.
Nachdem in diesem Jahr unter anderem bereits Bob Dylan (Bob Dylan!) und Sting (ja, Sting!) Weihnachtsplatten veröffentlichten, kommt mit „Midwinter Graces“ nun der Weihnachtsbeitrag von Tori Amos (Tori Amos!). Man darf sich jedoch nicht durch das absolut fürchterliche Cover in die Irre führen lassen. So billig das Artwork auch aussehen mag, so festlich sind die Songs geworden. Amos hat die elektronischen Spielereien ihres gerade erst vor einem halben Jahr veröffentlichten Studioalbums „Abnormally Attracted To Sin“ im Schrank gelassen und stattdessen ein Streichorchester engagiert, das den Songs einen feierlichen Anstrich verleiht. So spielt sich Amos erhaben durch zwölf weihnachtliche Songs, die teils Traditionals sind, teils neue Eigenkompositionen.
Im Gegensatz zu anderen Weihnachtsalben hat Amos die Songs jedoch weniger nach Bekanntheit ausgesucht und mehr darauf geachtet, ob die Songs auch zu ihr passen. Das ist schon einmal kein schlechter Ansatzpunkt, wenn man nicht zum x-ten Male „Little Drummer Boy“ hören muss und stattdessen Songs wie „What Child, Nowell“ oder „Holly, Ivy, And Rose“ auf der Tracklist stehen. Dabei verzichtet Amos auch auf den übertriebenen Einsatz von Weihnachtsinstrumenten wie Glocken und Schellen, die nur sporadisch zum Einsatz kommen. Stattdessen ist am Ende ein Album herausgekommen, das genau so gut ein weiteres reguläres Album hätte sein können, wenn nicht die weihnachtlichen Bezüge in den Texten wären. Das kann für den notorischen Weihnachtshasser allerdings bereits zu viel sein, um sich vorurteilsfrei mit diesem Album auseinandersetzen zu können. „Midwinter Graces“ ist jedenfalls das Bessere der beiden in diesem Jahr erschienenen Amos-Alben.