DETAILS

Interpret:
Tori Amos

Plattentitel:
Abnormally Attracted To Sin

Label:
Universal

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
5.5 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 08.06.2009

PLATTENKISTE

Tori Amos - Abnormally Attracted To Sin

Tori Amos - Abnormally Attracted To Sin

Es gab mal eine Zeit, Anfang der Neunziger, da dachten Künstler, sie würden ihren Fans etwas Gutes tun, wenn sie die Spielzeit einer CD bis zur letzten virtuellen Rille ausnutzen würden. Das Medium CD war noch relativ neu, man experimentierte und nach ein paar Versuchen stellte man fest, dass es doch verdammt schwer war, einen Spannungsbogen über 70 Minuten zu halten. 70 Minuten Musik ohne Ausfälle, das gab es in den seltensten Fällen.

Gott sei Dank sind die Zeiten vorbei, in denen auf Teufel komm raus Musik auf eine Scheibe gepresst wurde, nur um auch ja keine Ressourcen zu verschwenden. Durch empirische Selbsttests hat man mit der Zeit herausgefunden, dass die optimale Albumlänge bei ungefähr 40 Minuten liegt, was von vielen Künstlern dankenswerter Weise auch mehr oder minder beherzigt wird und nur noch von Pseudomusikzeitschriften naserümpfend zur Kenntnis genommen wird, die Musik tatsächlich nach „Preis-Leistung“ beurteilen, als handele es sich um ein Stück Wurst, das man beim Metzger kaufen würde.

Was das alles mit dem neuen Tori Amos-Album zu tun hat? Leider, ja leider, ist Frau Amos noch eine der wenigen Künstler, die der Überzeugung sind, Alben müssten endlose Songsammlungen sein, mindestens 17, besser 18 oder mehr Songs umfassend. So folgt auf jedes „Welcome To England“, das mit einem hypnotischen Schlagzeug-Beat und kargen Streichern überzeugt, ein müdes, uninspiriertes „Maybe California“, das altbacken in bekanntem Amos‘schem Fahrwasser rudert. Mittlerweile weiß ein jeder, dass Amos mit ihrer schneidend hohen Stimme die kleine Schwester von Kate Bush sein könnte, das sie auf ihrem Bösendorfer Flügel wahre Wunder vollbringen kann. Das kann man auch alles noch auf „Abnormally Attracted To Sin“ nachhören, beispielsweise in „Mary Jane“, wo Amos allein mit diesen beiden vorhin angesprochenen Merkmalen einen Song von erhabener Größe schreibt, der in allen Salons des Fin De Siècle seinen Ehrenplatz auf dem Kaminsims gefunden hätte.

Doch leider muss man nach diesen Goldkörnchen immer angestrengter Suchen, vor allem wenn sie sich zwischen Lückenfüllern verstecken wie die sieben Geißlein vor dem bösen Wolf. Leider wurde auch das recht spannende Konzept des Vorgängeralbums wieder verworfen. Auf „American Doll Posse“ schlüpfte Amos in die Rolle verschiedener Frauen und ließ den Song von einer ihrer Alter Egos vortragen. Nun singt sie also wieder ganz alleine über unglückliche, verzweifelte Schicksale. Am Ende bleibt das Deja-Vu-Erlebnis, das mittlerweile bei jedem neuen Tori-Amos aufkommt (für Chronisten: Es ist ihr insgesamt Zehntes). Das hat sie alles schon einmal gemacht und zwar besser. Zum Schluss, nur mal so als reiner Gedankenanstoß: „Little Earthquakes“ und „Under The Pink“, ihre beiden besten Alben, hatten eine Spielzeit von unter sechzig Minuten. Einfach nur mal drüber nachdenken, bitte.


 

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