DETAILS

Interpret:
Tired Pony

Plattentitel:
The Place We Ran From

Label:
Fiction / Universal

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
7.5 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 09.08.2010

PLATTENKISTE

Tired Pony - The Place We Ran From

Tired Pony - The Place We Ran From

Nebenprojekt. Das Wort allein klingt bereits abwertend. Nebensächlich. Irrelevant. Nicht so gut wie die „Hauptband“ eben. Um diese mit dem Begriff verbundenen negativen Assoziationen auszublenden, wurde in den vergangenen Jahren eine andere Bezeichnung  immer populärer: „All-Star-Band“. Was wiederum dazu führte, dass sowohl Fans als auch Kritiker mit diesem Prädikat inflationär um sich schmissen und alles plötzlich eine „All-Star-Band“ war, die mindestens zwei Bandmitglieder aufweisen konnte, die in ihren semi-bekannten „Hauptbands“ die Handclaps bei Live-Konzerten beisteuerten. die letzte richtige „All-Star-Band“? Die Traveling Wilburys, vermutlich. Das ist schon eine ganze Weile her.

Auch bei Tired Pony kann man sie bereits von weitem hören: die klappernden Tastaturen, die in Windeseile die Nachricht einer neuen „All-Star-Band“ verbreiten. Gary Lightbody (Snow Patrol) und Peter Buck (R.E.M.) haben sich zusammengetan und gemeinsam mit einer illustren Schar an Gästen ein Album aufgenommen, das keine Sekunde „nebensächlich“ oder „irrelevant“ klingt. M. Ward spielt auf zwei Songs Gitarre, seine She & Him-Partnerin Zooey Deschanel singt auf zwei weiteren, Scott McCaughey (The Minus 5) haut in die Tasten, Richard Colburn (Belle & Sebastian) spielt Schlagzeug. Dazu hat Jacknife Lee (U2, R.E.M., aber auch Crystal Castles) „The Place We Ran From“ produziert. Und Tom Smith von den Editors darf auch noch mitsingen. Ganz klarer Fall: „All-Star-Band“. Auf den ersten Blick.

Denn „The Place We Ran From“ ist bei aller vorhandenen Prominenz vor allem das Werk Lightbodys geworden, der die Songs für dieses Album während der letzten Snow Patrol-Tour schrieb. So verwundert es wenig, dass das wundervolle „Get On The Road“ eine gewisse Ähnlichkeit mit dem größten Snow Patrol-Hit, „Chasing Cars“, aufweist. Lightbody und Deschanel singen gemeinsam zu gezupften Gitarren- und schweren Klavierakkorden, bis sich das Schlagzeug nicht länger zurückhalten kann und den Song mit einer gehörigen Portion Pathos in den höchsten Hymnen-Himmel schickt. Das mag sich vielleicht kitschig anhören, doch das Ergebnis ist vor allem dank der perfekten Harmonie zwischen Lightbody und Deschanel eine wahre Pop-Perle.

An anderer Stelle hört man dann wiederum den Einfluss Peter Bucks deutlich heraus. Vor allem, wenn er wie in „Point Me At Lost Islands“ seine Mandoline auspackt und dem Song somit eine leichte, wenn auch melancholische Note verleiht. „The Place We Ran From“ ist Lightbodys Amerika-Album geworden, mit ausladenden Songs voller beklemmender Möglichkeiten („Dead American Writers“) und hüpfenden, süffigen Melodien („I Am A Landslide“), die in all ihrer folkigen Opulenz dann doch sehr britisch wirken. Nur eine Woche haben Tired Pony benötigt, um dieses Album aufzunehmen. Gerade diese zeitliche Beschränkung macht aus „The Place We Ran From“ ein so unmittelbares Erlebnis, das einen so schnell nicht mehr los lässt.

Video: „Dead American Writers“


 

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