Interpret:
Tinariwen
Plattentitel:
Imidiwan: Companions
Label:
Independiente / PIAS / Rough Trade
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
8.0 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 26.10.2009
Man würde es sich viel, viel zu einfach machen, würde man die Faszination, die das neue Tinariwen-Album „Imidiwan: Companions“ verströmt, einzig und allein auf seine Herkunft zurückführen. Selbstverständlich ist da zunächst einmal diese ferne, exotische Knochenhitze, die die Wüstenluft förmlich verschwimmen lässt, die aus jedem der 13 Tracks des nordafrikanischen Künstlerkollektivs flirrt. Doch das macht nur einen Teil der Faszination aus. Es ist diese Mischung aus unbekannten Klängen und vertrauten Mustern, die aus „Imidiwan: Companions“ eine der spannendsten Angelegenheiten des Jahres machen.
Auch wenn man die Texte der Songs, deren Titel dankbarerweise ins Englische übersetzt wurden, nicht versteht, so erzählt allein die gemächlich vor sich hinziehende, im weitesten Sinne bluesgeschwängerte Musik mehr als das Gesamtwerk so manchen Künstlers. Im Endeffekt benötigt man die englischen Übersetzungen gar nicht, allein durch den knochentrockenen Sound, der mit jedem Ton mehr und mehr leidenden Stimme und der menschlichen Leere, die trotz der ausgefeilten Arrangements herrscht, kann man erahnen, dass „Tamudjerras Assis“ nicht von erfüllter, glücklicher Liebe handeln kann, sondern von Schmerz und Bedauern (tatsächlich bedeutet der Titel übersetzt soviel wie „Regret Is Like A Storm“)
So taucht man hinab in eine Welt, in der die Musik schwankt und schaukelt, sich immer wieder der strengen Präzision entzieht und somit ihren eigenen Rhythmus vorgibt, sich frei bewegt und sich vogelwild in alle Richtungen entfaltet. Die meisten Songs entwickeln durch ihre sich wiederholenden Gitarrenfiguren und der spärlichen, immer wiederkehrenden Perkussion eine hypnotische Sogwirkung, allen voran das mittagssonnenschwere „Tahult In“ und das flottere, galoppierende „Tenhert“, das durch sein Tempo den Staub einer öden Wüstenstraße aufwirbelt.
Die Musik Tinariwens ist fest mit der Kultur der Tuareg verwurzelt, man spürt förmlich die raue, unwirtliche Welt der Sahara in jedem Song und doch fühlt man sich gleich zu Hause in diesen Songs, die einem sonderbar bekannt vorkommen. Nirgendwo tatsächlich am Ziel und trotzdem immer daheim: wahre Nomadenmusik also.