DETAILS

Interpret:
The XX

Plattentitel:
XX

Label:
XL / Beggars

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.5 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Tobias Gnädig
Köln, 17.08.2009

PLATTENKISTE

The XX - XX

The XX - XX

Was ist da eigentlich los? Vier schüchterne Teenager mit leeren Blicken, schlimmen Frisuren und ohne jedes Gespür für Mode geben ihrer Band einen blöden Platzhalter-Namen und schaffen es etliche Wochen, bevor ihr Debüt in den Läden steht, die gespannte Aufmerksamkeit der etablierten Presse und Blog-Nerds gleichermaßen auf sich zu ziehen. Schuld daran: „Crystalised“, die erste Single, das erste Video, in dem nicht viel zu sehen ist, außer eine Band mit leeren Blicken, schlimmen Frisuren und ohne jedes Gespür für Mode. Da kann man die Augen auch ruhig schließen und lauschen.

Was dann in die Gehörgänge dringt, das ist aufregend. Aufregend anders als das, was in der Regel reflexartig mit dem Hype-Stempel versehen wird. Die Musik bedrückend und zurückhaltend gestrickt, aber doch catchy. Der sanfte Wechselgesang von Romy Madley Croft und Oliver Sim immer leicht entrückt und neben der Spur, die Lyrics subtil und einander umgarnend. Die Referenzsuche endet irgendwo zwischen den Young Marble Giants und The Cure und hilft doch nicht wirklich weiter, will man den Sound von „XX“ in Worte kleiden.

„Crystalised“ und „Basic Space“, die beiden Vorabsingles zum Album, sind für sich genommen großartige Songs, die aber doch ein bisschen an der eigentlichen Magie vorbeitänzeln, die „XX“ in Gänze ausstrahlt. Die stärksten Momente auf diesem Album sind nämlich nicht die, die auch auf dem Indiefloor funktionieren könnten. Es sind die intimen Miniaturen, die „XX“ zu einem der meistbewegenden Alben der jüngeren Vergangenheit machen. „Islands“ etwa, oder noch viel mehr „Heart Skipped A Beat“, „Shelter“ und „Stars“ lassen den Mund weit offen stehen und die Frage unbeantwortet, wie man so viel Liebe in so wenig Töne packen kann. Hier ein Beat, da eine zurückhaltende Gitarre, und der Bass übernimmt nicht selten die Rolle des Leadinstruments. Diese Verknappung ist die größte Leistung der Band, und Zeugnis einer unglaublichen Frühreife im Songwriting.

Und so mag man eben nicht glauben, dass das hier nur ein weiteres Hype-Fabrikat von der Insel sein soll. Nein, das hier ist der zu Klang gewordene Gemütszustand einer ganzen Generation, das ist Soulmusik für die apathische Großstadtjugend, eine Liebeserklärung an die Melancholie. Und ganz sicher das Debütalbum des Jahres.

Video: „Basic Space"


 

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