DETAILS

Interpret:
The Wooden Sky

Plattentitel:
If I Don't Come Home You'll Know I'm Gone

Label:
Dine Alone Records / Soulfood Music

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
7.5 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 30.08.2010

PLATTENKISTE

The Wooden Sky - If I Don't Come Home You'll Know I'm Gone

The Wooden Sky - If I Don't Come Home You'll Know I'm Gone

Wenn ein Album allein durch seine ersten paar Takte den Duft von frisch gefälltem Ahornholz verbreitet, kann es sich eigentlich nur um ein Werk einer kanadischen Band handeln. Und siehe da: The Wooden Sky stammen aus Toronto, spielen bereits seit 2003 zusammen und legen nun auch in der alten Welt ihr zweites Album vor, das in der Heimat schon im letzten Jahr veröffentlicht wurde.

„If I Don‘t Come Home You‘ll Know I‘m Gone“ ist ein zeitloses Folkrockalbum geworden, das vom beschaulich schunkelnden Opener „Oh My God (It Still Means A Lot To Me)“ bis zum wütend aufgeladenen „Angels“ ohne große Vorwarnung von „ruhig“ auf „aufbrausend“ wechseln kann. Ebenso reich wie ihr Repertoire ist auch das Instrumentarium, das eingesetzt wird: Mandoline, Lap Steel, Banjo, Orgel, Dobro, Rhodes und die unausweichliche Mundharmonika sorgen für einen vertrauten Sound, der aber nicht verbraucht klingt.

Das einnehmende „When We Were Young“ orientiert sich musikalisch an Bruce Springsteen und bringt das Dilemma des Erwachsenwerdens auf den Punkt. Soll man weiter unbeschwert das Leben seiner Jugend leben oder dem Rat seiner Freundin folgen, den Hintern endlich hochzubekommen, die Stadt zu verlassen und etwas mit seinem Leben anzufangen? Für den Protagonisten ist die Antwort simpel und einleuchtend: „So I‘m going to find another lover tonight / Who will tell me everything will be alright“. Dass dies alles nur Schau ist, beweist jedoch das folgende „An Evening Hymn“, das mit traurig gezupfter Gitarre und einer getupften Wurlitzer dem Abschied huldigt: „In the morning I‘ll be going / These arms won‘t tire from rowing / And the drums won‘t let me sleep“. Es liegt eine Zerrissenheit, eine Unentschlossenheit über „If I Don‘t Come Home...“, eine getragene Schwere, die ganz den Geist der Vorstadt verkörpert. 

Es mag ein Zufall sein, dass Arcade Fire mit „The Suburbs“ ebenfalls diesen eigenwilligen Satellitenstädten ein Denkmal gesetzt haben. Vielleicht steckt aber auch eine tiefer greifende Sehnsucht dahinter. Die Metapher der ruhelosen, beschaulichen Stadt, hinter deren Häuserfassaden das wahre Leben nur in Gedankenkonstrukten zu existieren scheint: „We built this house on a web of lies“ („The Late King Henry“). Man schaut bei der Musik von The Wooden Sky wie durch kleine, gardinenlose Fenster hinein in den Alltag dieser Menschen, die „Ernie“ oder „Katie“ heißen und die mit ihren ganz eigenen, kleinen und großen Probleme zu kämpfen haben. Ein Ort, an dem man sich nicht verabschiedet. Man ist dann einfach fort, wenn man abends nicht zurückkehren sollte.

Video: „Oh My God (It Still Means A Lot To Me)“


 

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