Interpret:
The View
Plattentitel:
Which Bitch?
Label:
1965 Records / Columbia / Sony BMG
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
6.5 von 10
Autor:
Matthias Dersch
Essen, 16.03.2009
Dass Kyle Falconer, der gerade mal volljährig gewordene Sänger der schottischen Jungs von The View, nicht auf den Mund gefallen ist, bewies er schon in den großmäuligen Interviews rund um die Veröffentlichung ihres Debüts „Hats Off To The Buskers“ im Jahr 2007. Nun gut, mag man sich da sagen, warum auch schüchtern sein, wenn ich gerade die Nummer 1 in den Uk Charts erobert habe? Der Mann, wenn man den Lockenkopf denn so nennen möchte, scheint schließlich irgendetwas richtig gemacht zu haben.
Doch wo sich Überraschungserfolge und jugendlicher Arroganz vereinen, werden oft Skeptiker auf den Plan gerufen. Die Arbeit am generell als schwer eingestuften zweiten Album wird kritisch beäugt, das Ergebnis einer umso genaueren Geschmackskontrolle unterworfen. Mancher Jungstar mag sich davon beeinflussen lassen, plötzlich auf Nummer sicher gehen und Eigenheiten über Bord werden.
Doch wer das gleiche bei Falconer erwartete, wird von „Which Bitch?“ wahlweise enttäuscht oder positiv überrascht sein. Denn der Schotte mit dem unverkennbaren Akzent hat gemeinsam mit Kieren Webster (Vocals, Bass), Pete Reilly (Gitarre) und Steve Morrison (Schlagzeug) ein Zweitwerk kreiert, das sich nicht verstecken muss und nach wie vor diesen nur schwer zu widerstehenden rauen Charme der Halbwüchsigen versprüht.
Songs wie „Typical Time 2“, „5 Rebeccas“ oder „Temptation Dice“ knüpfen nahtlos an die Stücke auf „Hats Off To The Buskers“ an und dürften bei den treuen Anhängern sofort auf Gegenliebe stoßen. Weil sie aber auch Lieder wie „Distant Dubloon“, einen mit einem Orchester gepimpten Shanty, oder das traurige, vom Tod von Falconers Vater geprägte „Unexpected" im Gepäck haben, machen sie sich frei von Vorwürfen, ihr Debüt einfach zu kopieren. Man erkennt eine zarte, aber wirkungsvolle Weiterentwicklung, die das Spektrum des Quartetts gekonnt erweitert.
Insgesamt ist den Jungs aus Dundee damit ein Werk gelungen, dass ihre alten Fans zufrieden stellen und neue Hörer gewinnen dürfte. Für den ganz großen Aufstieg und die zweite Nummer 1 nach „Hats Off...“ wird „Which Bitch?“ zwar wohl nicht reichen. Aber man ist ja noch jung - an mangelndem Selbstvertrauen dürfte die Mission nicht scheitern...