DETAILS

Interpret:
The Twilight Sad

Plattentitel:
Forget The Night Ahead

Label:
FatCat / Rough Trade

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Michael Weber
Köln, 19.10.2009

PLATTENKISTE

The Twilight Sad - Forget The Night Ahead

The Twilight Sad - Forget The Night Ahead

Idyllisch sieht es in Kilsyth, dem Heimatort der schottischen Band The Twilight Sad, aus. Umgeben von sattem Grün, zum Wandern einladenen Bergen und kristallklaren Seen liegt diese verschlafen anmutende Stadt in einem mehr als ruhigen Umfeld. Doch jene Postkarten-Anleihen schienen für das Quartett um James Graham, Andy MacFarlane, Craig Orzel und Mark Devine schon auf ihrem Debüt „Fourteen Autumns And Fifteen Winters“ viel zu eng gewesen zu sein. So schmetterten sie vor zwei Jahren ihre von Schwermut getragenen Lyrics auf stürmischen Post-Rock-Kompositionen über die Weiten Schottlands in die Welt hinaus. Die Enge ist noch immer da, das beklemmende Gefühl, dass die emotionale Zustände des Lebens von The Twilight Sad mit diesem Idyll nicht harmonieren können, gar wollen, ist auch auf „Forget The Night Ahead“ tonangebend.

Sänger James Graham sagt sogar, dass „Forget The Night Ahead“ im Vergleich zum schmerzlichen Vorgänger noch etwas mehr in Dunkelheiten absteigt. Es fällt tatsächlich schwer dem geforderten Imperativ des Album-Titels folge zu leisten, denn man steht mit diesem Album auf der ersten Sprosse einer nur nach unten führenden Leiter. Man kann die bevorstehende Nacht eben nicht schon vergessen, wenn sie doch gerade erst vor einem liegt. Allerdings kann man noch eine weile auf den obersten Sprossen verharren, bevor man sich herab wagt in die ungewisse Leere der Dunkelheit.

„There's people downstairs / I'm more than a fighter, you know / There's people downstairs / This voice ain't even yours to share...You told me it'd get better, but I know you're wrong“, singt Graham in seinem wundervoll schottischen Akzent in der Single „Reflection of The Television“. Die übrigen Bandmitglieder geben sich zwar noch zunächst relativ bedeckt mit ihrem abwärts gerichtetem Spiel, bevor zum Ende hin die Gitarren aufgerissen und die Distortions in einer umwerfenden Wucht reingehauen werden. Das folgende, ebenfalls bereits als Single veröffentlichte „I Became A Prostitute“ ist dahingegen schon voll drin, im überwiegend direkten Klang der Platte. Viel mehr achten The Twilight Sad auf „Forget The Night Ahead“ darauf, die Songs nicht mehr ganz so verspielt ausfallen zu lassen, wie sie es noch auf ihrem Debüt machten.

Die Produktion des von Paul Savage (ehemals The Delgados) und Gitarrist Andy MacFarlane aufgenommenen „Forget The Night Ahead“ ist im Ganzen viel dichter und voluminöser ausgefallen als alles Vorherige der Band. The Twilight Sad büßen so oftmals einen Großteil der die Songs großmachenden Vetraktheit ein, womit so manche ihrer Stücke erst sehnsüchtig, melancholisch klangen. Doch gewinnen sie auch mit ihrer direkteren Art schneller die Aufmerksamkeit der Hörerschaft. Es bleibt aber unangetastet, dass auch schlichter anmutende Songs wie „Made To Disappear“ oder „That Birthday Present“, die doch recht schnell zur Sache kommen, gewaltige Klanglandschaften zeichnen. The Twilight Sads ganzes Geschick, ihre Musik mit viel melancholischer Schwere zu versehen, zeigt sich aber in den Songs, die etwas mehr Platz zur Entfaltung bekommen haben, noch viel besser. Das auf Grahams Stimme, einem Klavier und einem Schlagzeug sich allmählich aufblasende „The Room“ ist auf „Forget The Night Ahead“ neben der ersten Single herausragendes Paradebeispiel. Aber auch das in der Mitte explodierende Schluss-Stück „At The Burnside“ rundet die ersten Schritte der noch zu überstehenden Nacht erst ab. Darüber, wo es hingehen wird, lässt sich nur sagen: „No sign, no sign, no sign anymore“.

Video: „I Became A Prostitute"


 

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