DETAILS

Interpret:
The Sweet Vandals

Plattentitel:
Lovelite

Label:
Unique / Groove Attack

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 20.04.2009

PLATTENKISTE

The Sweet Vandals - Lovelite

The Sweet Vandals - Lovelite

Wer hätte gedacht, dass die 2000er Jahre eine Renaissance von Funk und Soul in ihrer Urform bringen. Sah es noch zu Ende des vorigen Jahrzehnts so aus, als hätten Hip Hop und House die Fackel endgültig von ihren Ahnen übernommen, welche der zeitgenössische R'n'B so sträflich hatte fallen gelassen, so mehren sich seit einigen Jahren die frohen Nachrichten aus einer analogen Dancefloor-Ära. Sharon Jones & The Dap -Kings, Nicole Willis & The Soul Investigators oder The Sweet Vandals bringen einen Sound zurück, der statt alt zu klingen, schlicht eine zeitlose Definiton für Tanzmusik ist.

Nun sind die Spanier The Sweet Vandals und ihre beseelte, vor Kraft strotzende Sängerin Mayka Edjole endlich mit einem Nachfolger des fulminanten, selbst betitelten Debütalbums in den Startlöchern, um zu untermauern, dass Soul im Jahre 2009 weitaus mehr als ein Trend ist. Erneut fand man in den Düsseldorfer Groove -Spezialisten von Unique Records den passenden Partner, um Musik unter die tanzende Meute zu bringen, die von der Band selbst gern als „dirty club sound“ beschrieben wird.

Wie treffend diese Einschätzung ist, merkt man direkt mit dem Opener „Thank You For You“. Der stampfende Takt schießt ohne Vorwarnung in die Beine und trägt einen, ohne die geringste Chance der Gegenwehr ins Zentrum der Bewegung. Es ist der analogen Aufnahmetechnik zu verdanken, dass die Instrumente hier genauso klingen, wie sie sollen. Schmutzig, druckvoll und tief sind die Songs untermauert. Dieses Fundament kann niemals von den heutzutage in den Verkaufscharts anzutreffenden, aufpolierten Plastikproduktionen auch nur angekratzt werden. Mit dem eingängigen „Good Thing“ und „Take Me Now“ wird das furiose Auftakt-Trio komplettiert und man darf staunend den Rest des Albums erwarten.

Statt weiterhin aufs Gaspedal zu drücken, zeigen The Sweet Vandals mit „Let's Have Some Fun“, dass sie auch als Meister der Entspannung jeden Muskel in angebrachte Bewegung versetzen. Unterstützt durch eine Orgel, die nach Sex geradezu schreit, wird nach etwa zwei Minuten die Melodie durch ein Pfeifen begleitet und man wähnt sich an einem glücklicheren Ort. Das hier ist locker aus der Hüfte geschossen und trifft voll in den Unterleib. Folge man dem Kommando: „Help yourself and relax!“

Auch „I Hate To Hate You“ und „Funny Children“ sind eher zurück gelehnt, wobei der Kinderchor in letztgenanntem Song sicher die einzige verzichtbare Stelle der Platte darstellt und nicht so richtig in den schweißtreibenden Kosmos der übrigen Stücke passen will. Doch wen kümmert es, wenn mit „What About Love“ eine Nummer folgt, die stellenweise an Dusty Springfield gemahnt und auch das anschließende „Every Woman Is A Diva” sich im Vergleich zu den ungezügelten Ausbrüchen des Anfangs verhält, wie Motown zu Stax.

Wenn Musiker einer Band Spitznamen wie Diamond, Sweetfingers oder Skunk tragen, kann eigentlich nichts schief gehen. The Sweet Vandals repräsentieren auf „Lovelite“ die Tradition von Funk und Soul. In all ihren Facetten. Zwischen Detroit, Memphis und New Orleans liegt Madrid.


 

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