Interpret:
The Sounds
Plattentitel:
Something To Die For
Label:
SideOneDummy / Cargo
VÖ:
08.04.2011
Punkte:
7.0 von 10
Autor:
Lisa Bertram
Köln, 30.03.2011
„Something To Die For” - das klingt schon mal bedeutungsschwer. Erinnert irgendwie an den Titel des zweiten Albums „Dying To Say This To You”. Anscheinend haben es The Sounds mit dem Sterben. Das vierte Album der vier Schweden um Sängerin Maja Ivarsson ist zum ersten Mal im eigenen Studio entstanden, nachdem die Band mit dem Sound der anderen Studios nicht zufrieden war.
The Sounds sind weniger rockig als auf den letzten Alben und wieder voller Achtziger-New Wave-Synthie-Power. Glam-Rock meets Synthie meets Blondie. „The Best Of Me” ist ein Retro-Track fürs Radio und erinnert an den Stil von The Killers (gerade wenn Maja „Baby hold on” singt, könnte man sich hierzu auch sehr gut Brandon Flowers vorstellen). Geradewegs aus einer „Best-Of-Eighties“-Compilation könnte „Better Off Dead” stammen. Der verzerrte Beat und der Gesang erinnern an Roxette & Co. und passen prima zu grellbunten Strumpfhosen. Unterbrochen wird die Nostalgie durch ungewohnte Technoelemente mitten im Song, doch dann geht’s auch wieder weiter. Ein gefährlicher Track mit imposantem Intro und Alarmsirenen: „Dance With The Devil”. The Sounds rufen auf die Tanzfläche. Etwas gitarrenlastiger und weniger achtziger-beeinflusst ist „Diana”. Weniger Synthie, stattdessen satte funkige E-Gitarren.
„It’s So Easy” erinnert erst an einen House-Track aus der Disco, dann klingt Maja doch tatsächlich einen kleinen Moment nach den Pet Shop Boys. Der kurze Track ist minimalistisch, ernst… und springt, ehe man sich’s versieht, in den nächsten Track über: „The No No Song” klingt ganz nach den „alten” Sounds. Gitarrenintro, starke Stimme und viel Aufmüpfigkeit. „You don’t have to say you’re sorry”. Sogar das das böse F***-Wort wird benutzt. Parental Advisory - Explicit Content.
Dann haben wir ihn, den Song, der uns sagt, wofür man sterben kann. Gitarrenintro, dann schwerer Synthie, Maja erzählt uns eine Geschichte. Wieder Gitarren, wieder Synthie und dann „If something is right / Then something is worth to die for”. Der Track ist eine Synthese aus New Wave und Indie-Rock. Das haben The Sounds wahrlich gut gemeistert, kein Instrument kommt zu kurz. Es ist für jeden etwas dabei - für die, die sagen: „Das erste Album war aber besser” als auch für solche, die meinen: „The Sounds haben sich in die richtige Richtung entwickelt”.
Es kann aber auch ruhiger zugehen: Akustisch und mit viel Gefühl in „Wish You Were Here”. Wie der Titel schon sagt - eine sehnsüchtige und romantische Ballade. Die starke Power-Front-Frau kann auch mal ganz zart und verletzlich sein. Gleich danach zeigt sie mit „Won’t Let Them Tear Us Apart” aber wieder, wo der Hammer hängt. Der Chor verkündet „Listen!” und Maja gibt mit ihrer kräftigen Stimme wieder alles. Eine starke Pop-Rock Nummer, die im Refrain auch wieder an die Achtziger erinnert. Der letzte Track der neuen Platte, „Yeah Yeah Yeah” beginnt mit einem poppigen Intro à la Casting-Girlie-Band. Ein Stück mit einem starken Beat, passend zu einem Hip-Hop-Dance-Musikvideo in der Turnhalle. Klingt komisch, ist aber so.
The Sounds haben sich definitiv weiterentwickelt. Hier und da hört man noch die alten rockigen Elemente, Einflüsse der Eighties sind allgegenwärtig und hier und da experimentieren die vier mit Techno, House oder Hip-Hop. Mag die Platte für den alten The Sounds-Hörer nach dem ersten Durchgang noch ein wenig befremdlich wirken, so besticht „Something To Die For“ mit Vielschichtigkeit und der altbekannten Power von Majas Stimme.