Interpret:
The Phantom Band
Plattentitel:
Checkmate Savage
Label:
Chemikal Underground / Rough Trade
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
8.5 von 10
Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 16.02.2009
Chemikal Underground Records kommt groß in 2009. Nachdem es in den letzten Jahren eher ruhiger um das ehemalige Delgados-Label geworden war, stehen in den nächsten Monaten regelmäßig neue, interessante Veröffentlichungen aus Schottland ins Haus. Den Auftakt macht mit „Checkmate Savage“ ein Debütalbum, das man sich nicht entgehen lassen sollte.
The Phantom Band lassen aufhorchen, präsentieren sie doch mit ihrem Erstling ein Album, bei dem musikalischer Facettenreichtum nie auf Kosten der Schlüssig- oder Hörbarkeit geht. Die vielköpfige Kapelle aus Glasgow scheint eine große Plattensammlung und jede Menge Lust zum Fusionieren zu haben. Wie steht es so schön auf der Homepage des Labels: „Checkmate Savage is where Beefheart meets Bonnie 'Prince' Billy, where Neu! meets Nick Cave“. Man könnte noch einige frühe Britpopbands, Psychedelic Rock aus den späten Sechzigern und vielleicht sogar etwas New Wave hinzufügen und käme der Wahrheit damit doch nur ungefähr nahe.
Der Opener „The Howling“ ist so etwas wie die Single. Gitarrenpop mit leicht sprödem, oft nur gesprochenem Gesang. Ein guter Start und doch nur ein Kratzen an der Oberfläche des Albums. Es folgt das wuchtige „Burial Sounds“, Trommeln ertönen, hier braut sich was zusammen und entlädt sich im packenden „Folk Song Oblivion“. Rockmusik, trocken und doch ausgeschmückt, gar beizeiten an die Ursprünglichkeit alter R'n'B-Singles gemahnend, pump up the volume. Der mehrstimmiger Gesang trägt seinen Teil dazu bei, dass der Song schnell den ganzen Raum füllt.
„Crocodile“ vermag den selben, voluminösen Effekt zu erzielen, ist dagegen jedoch ein brummender Instrumentaltrack. Es knackt im Geäst, schwere Felsbrocken säumen den Wegesrand und immer wieder geistern Mundharmonika- und Orgelmelodien durch die Baumwipfel. „Halfhound“ und „Left Hand Wave“ wiederum geben dem Bass mehr Raum, was dieser äußerst druckvoll und doch behende zu nutzen weiß. So weit zu gehen, den eingängigen Titeln eine Funk-Note zu attestieren, mag man am Ende dann aber doch nicht. Es bleibt auch kaum Zeit, alle Einflüsse und Subtexte zu erraten, setzen sich die Burschen doch mit „Islands“ unverfroren ans imaginäre Schifferklavier und reisen mit verträumtem Seemansfolk in den Sonnenuntergang. Das Mitschunkeln oder Einstimmen in den bald einsetzenden Chor, ist in diesem Fall ausdrücklich gestattet.
The Phantom Band mögen kein Album gemacht haben, das dem Indie-Mainstream mit tanzbaren Hitsingles unmittelbar ins Gesicht springt. Dennoch ist „Checkmate Savage“ im besten Sinne alternative Popmusik, die vielen Menschen mit offenen Ohren gefallen kann und wird. Und um das ganze stilvoll und mit lautem Getöse abzurunden, lasst mich The Phantom Band die schottischen TV On The Radio nennen.