DETAILS

Interpret:
The Notwist

Plattentitel:
The Devil, You + Me

Label:
City Slang / Universal

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
9.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Tobias Gnädig
Köln, 26.05.2008

PLATTENKISTE

The Notwist - The Devil, You + Me

The Notwist - The Devil, You + Me

Sechs Jahre haben The Notwist mit sich und der schwierigen Aufgabe gerungen, das Album nach „Neon Golden“ aufzunehmen. Damals, im Sommer 2002, vermittelte eben jenes Album das Gefühl, die Weilheimer seien nach Jahren der kontinuierlichen Entwicklung und Neuorientierung schließlich bei sich selbst angekommen. Wer die Dokumentation „On / Off The Record“ kennt, die den aufwendigen Entstehungsprozess von „Neon Golden“ bis ins kleinste Detail beleuchtet, kommt nicht nur zu der Einsicht, dass dieses Album für alle Beteiligten ein Husarenritt gewesen sein muss, sondern sieht sich auch mit der Frage konfrontiert, ob die Band diesem Glanzstück noch etwas hinzufügen kann.

Ursprünglich hätte alles viel schneller gehen und bereits 2005 ein Nachfolger präsentiert werden sollen, doch das Material klang der Band um die Acher-Brüder Micha und Markus den Überlieferungen nach zu wenig nach The Notwist. Scheinbar waren auch sie zur Erkenntnis gelangt, dass sich der Nachfolger von „Neon Golden“ nicht auf Biegen und Brechen davon abheben muss – es war die Geburtsstunde des Projekts 13 & God. Der erste Anlauf war gescheitert, der zweite sollte weitere Jahre auf sich warten lassen. In der Zwischenzeit verfolgte Soundguru Martin Gretschmann sein Projekt Console, während sich die Acher-Brüder unter anderem Lali Puna (Markus), Ms. John Soda (Micha) und dem Tied & Tickled Trio (beide) widmeten. Warum mit Drummer Martin Messerschmidt erstmals in der fast 20jährigen Band-Geschichte ein Gründungsmitglied die Segel strich, bleibt im Verborgenen. Während er bei Schweisser anheuerte, wagten die verbliebenen drei Bandmitglieder besagten zweiten Anlauf. Ein klar strukturiertes Songwriter-Album sollte es werden, und im Grunde ist es auch genau dies geworden - mit der Einschränkung, dass die Songwriter hier hochbegabte Musiker und akribisch arbeitende Tüftler sind.

Elf Songs haben es auf „The Devil, You + Me“ geschafft. Den Einstieg bildet „Good Lies“ genau so unaufgeregt und geradeaus, wie man es sich gewünscht hatte. Markus Achers Stimme klingt vom ersten Moment an vertraut und angenehm nah in den Vordergrund gemischt. Dann bauen die Streicher des Andromeda Mega Express Orchestra Spannung auf und leiten über zu „Where In This World“, das intim und verletzlich aus den Boxen pluckert und Consoles Electronica Platz zur Entfaltung bietet. „Gloomy Planets“ gibt dem Begriff des Notwist’schen Songwriter-Albums ein Bild, vertraut auf akustische Gitarre und sparsamen Tasteneinsatz, um gegen Ende dann doch noch die Zurückhaltung abzulegen und sich treiben zu lassen. „Alphabet“ kommt sperrig und dissonant daher, mit seinem kantigen Rhythmus und zahlreichen Störgeräuschen. Andi Haberl, der nach Martin Messerschmidt die vakante Position am Schlagzeug einnahm und dem erwähnten Andromeda Mega Express Orchestra entstammt, meistert nicht nur diesen Song mit Bravour. Dem weitestgehend akustisch gehaltenen Titelsong folgt „Gravity“ und liefert mit „Old gravity you won’t get me“ die Mottotextzeile zu einem Album, das über den Dingen zu schweben scheint, völlig unberührt von irdischem Balast. Dem getragenen, mit komplexer Rhythmik versehenen „On Planet Off“, setzen The Notwist das griffige Popstück „Boneless“ entgegen. „Gone Gone Gone“ ist schlussendlich der ergreifend schlichte Abschiedsgruß.

„The Devil, You + Me“ erscheint glücklicherweise nicht wie der Versuch, den eigenen Klassiker zu toppen oder ihm gar hinterher zu hecheln, sondern als das einmal mehr grandiose Werk einer Band, die die eigene Virtuosität zwar kennt, jedoch stets dem Song unterwirft und in ihrem eigenen Universum nur für sich selbst diese spezielle, rührende und aufrichtige Musik kreiert. So, wie sie es immer getan haben und hoffentlich noch sehr, sehr lange tun werden.


 

Freunde

 
 
 
 

Wir Präsentieren:

 
 
 

Prunkstücke