DETAILS

Interpret:
The Magic Numbers

Plattentitel:
The Runaway

Label:
Heavenly / Cooperative Music / Universal

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
7.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Michael Weber
Köln, 26.07.2010

PLATTENKISTE

The Magic Numbers - The Runaway

The Magic Numbers - The Runaway

Zum nun dritten Album von The Magic Numbers können einem viele Assoziationen einfallen. Und diese müssen nicht zwangsläufig musikalischer Natur sein. Nach dem die Londonder Brüder- und Schwestern-Band binnen eines Jahres zwei Alben veröffentlichten, stand für sie nach der letzten Veröffentlichung, „Those The Brokes“ aus dem Jahr 2006 fest, dass sie eine Auszeit benötigen. Wie so viele Bands vor ihnen galt diese Auszeit einer Rückbesinnung zu alten Zeiten und Tugenden. Dem Festhalten an vergangenen Klängen. Weglaufen als Flucht nach vorne.

Was folgte, waren verschiedene Projekte einzelner Mitglieder und das Sammeln weiterer Erfahrungen. Michele Stodart mag während dieser Zeit die wohl einschneidenste Erfahrung gemacht haben: sie wurde Mutter. Wieder vereint im neuen Proberaum begannen dann auch im letzten Jahr die Aufnahmen zum neuen Album mit Valgeir Sigurdsson, der schon Björk, Múm und Bonnie 'Prince' Billy produzierte. Doch kurz vor der Fertigstellung geschah etwas, das niemand hätte ahnen können. Das heimliche fünfte Mitglied von The Magic Numbers, Robert Kirby, verstarb im alter von 61 Jahren. So bekommt der Titel „The Runaway“ gleich zwei schwerwiegende Interpretationsansätze. Zum einen die Wiedervereinigung der temporär pausierenden Band und ihre in die neue Platte hineingetragenen Erfahrungen; und zum anderen die plötzliche Kehrtwende der Vereinigung, eingeleitet durch einen nicht wieder rückgängig zu machenden Verlust. In einem übertragenen Sinne fühlt sich der Tot Kirbys dann doch wieder so an wie Weglaufen.

Was von Kirby aber dennoch bleibt, sind rührend weiche Streicherarrangements, die dem Klang von „The Runaway“ ganz unauffällig anhaften. Und auf diese Weise bekommt der Fingerabdruck auf dem Cover auch eine besondere Bedeutung, wenn man so will. Man geht, aber irgendetwas bleibt immer. Dieses Bleiben wird nun auf ewig in einigen der zwölf Tracks von The Runaway zu hören sein. Mit diesem Wissen scheint es sogar, als wäre jenes Alternative-Pop/Rock-Album gänzlich für ihn geschrieben worden.

Der sehr bedächtige Klang von „The Runaway“ zieht sich wie ein roter Faden ruhigen Innehaltens durch das Album. Laut werden The Magic Numbers demnach nie. Einzig poppigere Stücke wie die an die Stars erinnernden „Why Did You Call?“, „Once I Had“ oder „Throwing My Heart Away“ brechen ein wenig aus dem sonst elegischen Klang aus. Das bestimmt klingende „Sound Of Something“ reiht sich dabei aber auch ein. Allerdings sind diese wie alle anderen Songs auch stets mit einer ordentlichen Portion Gefühl und schon fast zuckrigen Gesangsmelodien, die besonders erwärmend durch die beiden weiblichen Mitglieder Angela Gannon und Michele Stodart dargeboten werden, versehen.

In der Eröffnungsnummer „The Pulse“ klingen sie hingegen wie eine Mischung aus Fleet Foxes und The Flaming Lips. Ein ruhiger Song, der sich schon fast unmerklich aufschaukelt und sich nicht nur der Streicher wegen durch ein niedergeschlagenes Tal der Melancholie mäandert. „What makes you cry / What makes you hurt“, fragt Romeo Stodart zart in diesem doch so hoffnungsvollen Stück. Sakral hallen die Stimmen von Angela und Michele wie in einer Kirche aufgenommen in „Restless River“ nach, bevor sie mit den letzten Versen gemeinsam mit Romeo ganz nah an unser Ohr herantreten und „I wonder where you are / I wonder where you are each night I scream awake and it's the morning“ singen. „The Runaway“ ist im Ganzen ein klanglich äußerst erwachsenes Album geworden. Vielleicht ein bisschen dröge oder zu schläfrig, ihm haftet jedoch auch in traurigen Momenten wie der Schlussnummer „I'm Sorry“ immer ein Hauch an Sexappeal an. „The Song That No One Knows“ ist da bestimmt das softe Rhythm & Blues Paradebeispiel.

Video: „The Pulse“

 

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