DETAILS

Interpret:
The Kissaway Trail

Plattentitel:
Sleep Mountain

Label:
Bella Union / Cooperative Music / Universal

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
9.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Michael Weber
Köln, 15.03.2010

PLATTENKISTE

The Kissaway Trail - Sleep Mountain

The Kissaway Trail - Sleep Mountain

Da ist ein fantastisches Läuten in meinen Ohren, und es wird hoffentlich niemals vorübergehen. Ein Nachhall, der sich tief in mir festgesetzt hat. Ein Sturm der Gefühle, der hinter sich eine Gutwetterfront her zieht. Ein flüchtiger Blick, der nur Großes verheißen kann. Der Moment, in dem die Wolkendecke aufreißt und die Sicht frei gibt auf die unbetrübte Schönheit eines blauen Himmels, bei dem ich aus dem Blinzeln nicht mehr raus kommen werde. Der noch bis vor Kurzem in aller Seelenruhe schlummernde „Sleep Mountain“ wurde von den kitzelnden Sonnenstrahlen geweckt und steigt nun auf in noch höhere Lagen. Halten wir ihn also nicht auf und lassen ihn abheben.

Das aus Dänemark kommende Quintett The Kissaway Trail hat zu dieser Szenerie den rührenden Soundtrack geschrieben, der die Größe des Moments in zwölf überwältigenden Songs festhält. Ein epochales Glanzstück moderner Rock-Musik, das das noch junge Jahr mit sich bringt und seine Spuren auf den verschneiten Kuppen der Emotionsgipfel hinterlässt. Dabei sah während des ersten Produktionsanlaufs noch gar nichts nach diesem tiefgreifenden Erfolg aus. Denn die bereits 2008 begonnenen Aufnahmen zu „Sleep Mountain“, dem zweiten Album der Indie-Art-Rocker, wurden verworfen, um sie dann binnen kürzester Zeit noch einmal zu machen. Und so wie es der Band mit den ersten Schlagzeugwirbeln der neuen Aufnahmen klar war, dass nun alles passt, wird es einen auch als Zuhörer überwältigen.

Nicht unbeholfen kleckern, sondern elegant protzen ist die Devise aller Songs. Dass „SDP“, die Eröffnungsnummer des Albums, da alleine seiner Länge wegen besonders heraussticht, ist nicht etwa der erste Schein, der trügt. Nein, die groß geratenen Gesten halten The Kissaway Trail das gesamte Album über aufrecht. Und hier weiß ich schon gar nicht mehr, wo ich überhaupt anfangen soll mit meiner Laudatio auf diese Hoffnungsträger, die so harmonisch, vielseitig und ausgewogen ihre Instrumente und Gesänge zu vereinen verstehen.

Kein stürmischer Schlagzeugwirbel, kein schallendes Geläut, kein druckbeladener Basslauf, keine noch so kleine Synthesizer-Einlage, keine trällernden Gitarrenriffs, kein tänzelnder Klavierlauf und keine erhabende Gesangseinlage ist hier zu viel. The Kissaway Trail schöpfen unermüdlich aus dem Vollen und zaubern Melodien und Harmonien in unsere Ohren, nach welchen wir uns schon immer gesehnt haben. Und die Sehnsucht ist bei den Dänen Dreh und Angelpunkt ihrer Texte. Im ruhigen „Painter“ singen Søren B. Corneliussen, Thomas L. Fagerlund und Rune Pedersen noch hoffnungsvoll suchend „I need a hand / I need a hand / Would you come back save“, während Corneliussen sich seiner Sache schon im folgenden „New Year“ sicher ist. „This could be / This could be / This could be forever / … / Wanna be drinking champagne from plastic glasses“, singt er dort, in diesem sich so wundervoll aufschaukelnden Song. Bereit für den Fall in ein sicheres Becken der emotionalen Schönheit.

Doch auch wenn auf „Sleep Mountain“ die Hoffnung stets zuletzt stirbt, ist es ein unentwegtes Suchen zwischen Schwermut und innerer Sicherheit: „If you could change your heart / If you could change your ways / If you could change it / You'll never like they say“ („Beat Your Heartbeat“). Eine Mischung, die dem Album eine erweichend bittere Süße verleiht und sich in Zeilen wie „We don't care about them“ („Friendly Fire“) für einen Moment auflöst. Dass The Kissaway Trail sich dann auch noch mit „Philadelphia“ eines Songs von Neil Young bedienen, der auf synthetischen Streichern dahin schwebt, lässt den Hoffnungsfunken nur noch mehr erstrahlen. Und plötzlich tanzen wir bei Nacht zu den anspornenden Rhythmen eines „New Lipstick“, während in „Enemy“ auf der Zielgeraden alles in sich zusammenstürzen droht. „You have friends but they're all gone“. Eine letzte Bitterkeit, die zum Glück im erwärmenden Finale binnen „Three Million Hours“ ausgelöscht wird. Ein solch klares Blau habe ich noch nie nach dem Aufwachen gesehen.

Video: „SDP“

The Kissaway Trail - SDP from Bella Union on Vimeo.


 

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