DETAILS

Interpret:
The Hollies

Plattentitel:
Midas Touch - The Very Best Of

Label:
EMI

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
Keine Wertung

Weiterführende Links:

Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 01.03.2010

PLATTENKISTE

The Hollies - Midas Touch - The Very Best Of

The Hollies - Midas Touch - The Very Best Of

Glaubt man den Liner Notes im Booklet zum aktuellsten Best-Of-Album der Hollies (was man ja grundsätzlich nicht immer tun sollte), so wurde Gitarrist Tony Hicks neulich im lokalen Supermarkt in Manchester von Noel Gallagher überrascht, der ihm ein „Love your band man - You‘ve really got the songs!“ als Respektsbekundung entgegengerufen bekam. Nun mag man sich fragen, was der spektakulärere Aspekt ist, den man aus dieser News ziehen kann: 1) Noel Gallagher steht auf die Hollies oder 2) Noel Gallagher geht in Manchester auch ganz gewöhnlich im Supermarkt einkaufen? 

Was in den Sechzigern die Beatles für Liverpool verkörperten, waren die Hollies für Manchester, und das obwohl nicht ein Bandmitglied gebürtig aus dieser Stadt kam. Beide Bands lieferten Anfang der Sechziger Hits am Fließband ab, so dass die nun erschienene Best-Of der Hollies zurecht den bescheidenen Titel „Midas Touch“ hat. Songs wie der alles überstrahlende Hit „Bus Stop“ oder das mit karibischen Steeldrums angehauchte „Carrie Anne“ schwelgen in jenem nostalgischen Sechziger-Jahre-Sound, den man spätestens seit den Beatles mit dieser Dekade verbindet. Leichte, beatlastige Evergreens, die sofort ins Ohr gingen und nichts anderes sollten als unterhalten. Die grandiose, mit Streichern versehene Ballade „He Ain‘t Heavy He‘s My Brother“ und das seichte „The Air That I Breathe“ bilden hier eine Ausnahme.

Doch während sich die Beatles musikalisch weiterentwickelten und ihren Sound in psychedelischere, experimentellere Gefilde ausdehnten, blieben die Hollies eine Band, die ihre Hits zum großen Teil aus Coverversionen bezog und musikalisch unbeirrt ihren Stiefel runterspielten. In den Siebzigern gab es einen kurzen Flirt mit Glamrock, der zu Songs wie „Hey Willy“ führte, die catchy und anbiedernd zugleich waren. Danach machte die Band weiter, überstand die Achtziger und die Neunziger mit schmalzigen Aufgüssen des immer gleichen Sounds unter Verwendung „neuester Technologien“, was dazu führte, dass die zu der Zeit entstandenen Aufnahmen die Band wie ein einziger tourender Anachronismus dastehen lassen. Songs wie das mit schlimmen Synthesizern versehene „The Woman I Love“ ließen im Vergleich dazu selbst Ringo Starrs damalige Solo-Werke wie die beste Erfindung seit „Sgt. Pepper“ klingen.

Mittlerweile veröffentlichen die Hollies ihre neuen Alben ganz zukunftsträchtig (oder weil sie kein Label mehr finden) über ihre eigene Homepage. Doch gleich, wie sehr die Qualität der Songs seit den Siebzigern auch nachließ, das Erbe der Hollies aus den Sechzigern ist unkaputtbar. „Midas Touch“ bietet einen guten Überblick über das gesamte Schaffen dieser Band und setzt bezeichnenderweise den Schwerpunkt auf den Output der Sechziger. Doch ob ein gewöhnlicher Musikfan wirklich 48 Songs der Hollies auf 2 CDs benötigt, darf bezweifelt werden. Ein paar weniger hätten‘s auch getan.

 

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