DETAILS

Interpret:
The Drums

Plattentitel:
dto.

Label:
Moshi Moshi / Cooperative / Universal

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Michael Weber
Köln, 07.06.2010

PLATTENKISTE

The Drums - dto.

The Drums - dto.

Der verfrühte Happen ihrer „Summertime!“ hallt noch immer in unseren Ohren nach. Diese kleine, zwischen Glückseligkeit und jugendlichem Schwermut wandernde EP hatte es schon in sich. Die eingeschlagene Mischung aus 50er-60er Jahre Surf-Pop der Beach Boys, großen Bekennungen zu einer The Smiths verehrenden Liebe und 80er coming-of-age Gebeuteltheit, machten schon da den ganz besonderen Charme der vier Freunde aus Brooklyn, New York, aus. Jetzt, mit Eigennamen versehen, präsentieren The Drums ihren ersten Longplayer gespickt mit zwölf Songs, die alle an die von ihnen bereits besungenen, großen Gefühle anknüpfen. The Drums sind da zu Hause, wo fast erwachsene Männer wieder wie kleine Jungen weinerlich durch die Nächte ziehen und die Frauen hoffentlich ihre Herzen für diese verweinten Augen öffnen werden.

Oder ist auf „The Drums“ doch alles andersrum? Die Frauen weinen wie Mädchen und die Jungen stehen ihren Mann? Schließlich singt Jonathan Pierce in „It Will All End In Tears“ „Baby, I know you hate me so / I gave you everything / Why do you hate me so / I don't feel sorry when you cry / I don't believe you when you lie / Because your eyes are always saying goodbye“. Fest steht aber, ohne gleich eine Alice-Schwarzer-Watschen zu erhalten, dass „The Drums“ eher ein Album für die Jungs geworden ist, das aber mit seinen sehnsüchtigen Bekundungen für das andere Geschlecht keinen Hehl macht. Womit sich der Kreis auch schließt: Männer dürfen Jungs sein und Frauen wieder Mädchen. Herrlich.

Musikalisch hat sich auf „The Drums“ gegenüber der „Summertime!“ EP nicht sonderlich viel geändert. Warum auch? Zum einen entstanden die Songs zu ihrem Album fast zeitgleich wie die zur EP und zum anderen wäre ein jetzt plötzlicher Wechsel des Klangs einfach viel zu früh. The Drums sind doch gerade erst angekommen. Es wird noch immer in markant ausgedünnten, bis auf das Wesentliche reduzierten Melodien und Rhythmen getanzt, die wie der bereits beschriebenen New-Wave-Indie-Pop-Surfbretter durch unsere Gehörgänge fegen. Kaum Effekte auf den Gitarren, direkte Bassläufe und ein minimalistisch-staubiges Schlagzeug geben überwiegend den Ton bei The Drums an. Vielleicht, mit etwas gutem Willen lässt sich sagen, dass sie für ihr Debüt-Album den ein oder anderen kleinen, elektronischen Effekt in Form von Synthesizer-Schimmereien oder einem Drumcomputer-Beat mehr eingesetzt haben. So vielleicht in der Eröffnungsnummer „Best Friend“ oder im folgenden „Me & The Moon“.

Sehr zu Gute halte ich The Drums allerdings, dass sie bis auf ihre geliebte Heißsporn-Hymne „Let's Go Surfing“ und dem rührend Ruhigen „Down By The Water“ keinen weiteren Song ihrer EP für das Album gerettet haben. Wo auf der EP dann allerdings doch etwas mehr Frohsinn zu hören war, sind sie auf „The Drums“ in gewissen Teilen nüchterner, ja geläuterter. Musikalisch schlägt es sich nicht aus, es sind die Texte, die hier diesen Eindruck erwecken. Mit Worten wie „I thought my life will get easier / Instead it's getting harder / … / Without you“ tänzeln sie sich durch das Beziehungsgeflecht auf diesem Album („Book Of Stories“). Ihren aufwühlenden Wurf bis in die 80er Jahre mit trunkenen Liebesbekundungen machen sie dann wiederum aber auch. Mit glitzernden Synthesizern, forschem Tempo und schmeichelnden Melodien träumen sie sich in den Zustand, der ewig halten soll: „Forever & Ever Amen“. The Smiths streifen sie nur wenig später im melancholischen „I Need Fun In My Life“. Durch ihre softe Art zu singen, kleine Claps in den Songs unterzubringen oder auch mal das Tamburin zu schwingen („We Tried“), lässt es einen kaum glauben, dass sie von „I'll Never Drop My Sword“ singen. Die Jungs wollen und müssen geliebt werden. Egal, ob Junge oder Mädchen, Mann oder Frau.

Video: „Forever & Ever Amen“


 

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