Interpret:
The Dodos
Plattentitel:
Time To Die
Label:
Wichita / Cooperative Music / Universal
VÖ:
04.08.2009
Punkte:
8.0 von 10
Autor:
Christopher Szwabczynski
Steinfeld, 31.08.2009
Man kann sich ja schon kaum daran erinnern, wie es einmal war, als man am Veröffentlichungstermin der neuen Platte seiner Lieblingsband vor dem Plattenladen wartete, um der Erste zu sein. Das Gefühl, als erster Mensch das Booklet zu bestaunen, das Papier zu riechen, die Töne und Melodien in sich wirken zu lassen. Der ganz besondere Moment, nur für dich. Wären wir nicht mitten im digitalen Zeitalter, würde es mit The Dodos neuem Album genau so aussehen. Doch „Time To Die“ lungerte schon viele Monate vor der Veröffentlichung auf den Servern dieses Internets. Dass dabei ganz viel Magie verpufft, ist klar. Ob aber nun die Vorteile dieser Entwicklung die Nachteile aufwiegen können, ist wohl in einem anderen Kapitel zu behandeln.
Mit „Time To Die“ gehen The Dodos einen ganzen Schritt nach vorne. Es ist nicht nur so, dass die aus San Francisco stammenden Musiker ihren Stil ausgearbeitet und gefunden zu haben scheinen, sondern auch Zuwachs bekommen haben. Keaton Snyder begleitet das Duo von nun an, und vervollständigt ihren Sound mit seinem Vibraphon. Zwar auf den ersten Blick unmerklich, neben dem bretternden Schlagzeug aber doch sehr wohl da. Es wirkt, als würden die Melodien vom Vibraphon das sowieso schon harmonische Zusammenspiel von Western-Gitarre und wilden Percussions dick unterstreichen. Songs wie „Troll Nacht“ oder „Longform“ würden durch diesen perfektionistischen Hauch nicht an den Wow-Effekt kommen, der in fast allen Song aufkommt. Und entdeckt man erst einmal diese wunderbare Harmonie, bekommt man nicht mehr genug davon.
Wenn das Vibraphon dann irgendwo untergeht, scheint etwas zu fehlen, wird aber einfach mit der gewohnten Rhythmik und Dynamik dagegen gehalten. In „Fables“ ist es eben genau so, das der Song mit dem treibenden Beat beginnt, die wundervolle Stimme von Meric Logan einsetzt und man im Grunde schon vollends zufrieden sein könnte. Doch dann kann man im Hintergrund die karibischen Töne erahnen und alles wird runder, schöner. Trotzdem hält der Pantera-Befürworter Logan Kroeber die Rock-Faust in den Himmel. Gerade in „This Is A Business“ kommt das wilde Drum-Set von Kroeber zur Geltung und zeigt, dass The Dodos mit „Time To Die“ ein erstklassiges Rock-Album abgeliefert haben.
Wenn auf „Visiter“ noch fünf Songs mehr drauf waren, dann nur weil sich das Duo nicht aufs wesentliche konzentriert auszudrücken wusste. Neun Songs reichen hier völlig aus, um die Musikszene San Franciscos ins rechte Licht zu rücken, dem digitalen Zeitalter auf die Schuhe zu kotzen und als wahre Rockstars da zu stehen.