Interpret:
The Count & Sinden
Plattentitel:
Mega Mega Mega
Label:
Domino / GoodToGo
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.5 von 10
Autor:
Richard Pütz
, 23.08.2010
Künstler können an sich selbst verschiedene Aufträge stellen. Da gibt es beispielsweise den Unterhaltungsauftrag oder den Bildungsauftrag. Das aus der englischen Grafschaft Essex stammende Duo The Count & Sinden jedoch stellen einen Auftrag an die Hörerschaft, und der lautet Tanzen. Nichts scheint leichter als das. Denn auf ihrem Debüt „Mega Mega Mega“ sammeln die beiden Herren stereotypische Klangbeispiele, von denen sich jeder Rhythmus-Fetischist sein Rosinchen herauspicken kann.
Ohne Berührungsängste stapeln sie derben Electro-Rap, flotte Ethno-Beats und sphährische, an Moby erinnernde Meditationen direkt hintereinander. Dabei legen sie durch die Bank eine Eingängigkeit and den Tag, die ansteckt und nur einen kurzen Moment lang im eintönigen House-Sumpf unterzugehen droht. Die Qualität dieses Albums wäre jedoch nicht ohne tatkräftige Unterstützung an der Vocal-Front zu Stande gekommen. Sind die Stimmeinlagen doch jene, die den 12 Tracks die gewollte Signifikanz und genrespezifische Abgrenzung verschaffen. Sechs Features sind es an der Zahl. Darunter der US-amerikanische Rapper und Labelkollege Trackademicks, der mit „Do You Really Want It“ den Anfang hinlegt und trotz sanfter Stimme wohl den testosteronhaltigsten Auftritt der Platte hat. Definitiv mein Favorit. Es geht weiter mit trashigen Polizeisirenen, die den Funk von „After Dark“ einleiten, welches eine lohnende Kollaboration mit den Mystery Jets darstellt und das Tempo deutlich anzieht. Dann ein paar erfrischende Sitar-Klänge auf „Desert Rhythm“ um anschließend mit „Hardcore Girls“ und Rye Ryes hysterischen Raps, sowie der Dancehall-Interpretation „Roll Out“ mit 77Klash, zu zeigen wo der Discohammer hängt. Das durch Kontraste bestechende „Mega“ sowie das angenehm seicht von Katy B gesungene „Hold Me“ wissen zu überzeugen.
Was jedoch als absolute Zumutung empfunden wird, ist der schmierige R´n´B-House-Refrain, der auf „Addicted To You“ von Bashy zum Besten gegeben wird und auch aus der Feder von Akon und Konsorten stammen könnte. Der absolute Tiefpunkt des Albums. Gen Ende finden sich noch ein paar echte Perlen auf „Mega Mega Mega“. Der unbekannte Coolio Iglesias lässt die Temperatur auf dem groovenden Latino-Track „Llamamé“ noch einmal deutlich steigen, und das bei halbem Tempo. Respekt. „Llamamé“ bedeutet „Ruf mich“ bzw. „Ruf mich an“. Dies passiert auch zum Schluss. Denn hier ruft schließlich die Couch oder Sogar das Bett, um sich nach einer durchtanzten Nacht zu entspannen und dem Schlaf hinzugeben. „You Make Me Feel So Good“ ist ruhig, hypnotisch und einfach schön. Der gekonnte Abschluss für ein Dance-Album.
The Count & Sinden denken in Schubladen und das ist gut so. Ihre Musik bildet keine besonderen Konvergenzen aus verschiedenen Genres sondern ist eine gut zusammen gestellte Playlist. Sie besitzen ein Gespür für griffige Kompositionen, welches sie auf unterschiedlichen Klangebenen anwenden und ihren Stil, der eigentlich keiner ist, entstehen lassen.
Video: „Mega“