Interpret:
The Coral
Plattentitel:
Butterfly House
Label:
Deltasonic / Cooperative Music
VÖ:
30.07.2010
Punkte:
7.5 von 10
Autor:
Tobias Wecker
Düsseldorf, 26.07.2010
Die Promotexte, die Bands vor der Veröffentlichung von Alben schicken, sind oft unerträglich. Vor allem liest man da immer wieder die alte Leier von dem „bisher mit Abstand besten Album“. Im Falle von The Coral ist der Wortlaut von Sänger James Skelly „I think we’ve made the best album that we’ve ever made. I think it has to be. Or there’s no reason for anybody to listen to it.” Dann steht da noch etwas von einem „new, expansive sound”, und so weiter, etcetera, pp. So, das musste einmal raus.
Und jetzt zum positiven und eigentlich wichtigen Teil von „Butterfly House“, dem sechsten Album von The Coral: Rein musikalisch hat sich nicht allzu viel geändert im Vergleich zu den allesamt ziemlich hochwertigen Vorgängern. Die Unterschiede liegen eher in den äußeren Umständen und in Details: Nachdem die Band in der Vergangenheit konstant jedes Jahr mit einem neuen Album aufwartete, dauerte es dieses Mal für The-Coral- Verhältnisse stolze drei Jahre. Außerdem zogen sich die Mitglieder für die Aufnahmen in eine einsame Hütte im Niemandsland zurück. Daraus entstand eine Art Konzept, das sich in dem Titel der Platte widerspiegelt: Unter dem „Butterfly House“ versteht die Band eine Art imaginären Ort, völlig abgeschottet von der Außenwelt.
Und wirklich: Dieses Gefühl einer Parallelwelt, einer ziellosen Reise, einer Sehnsucht, wird einem in Liedern wie dem tollen Titelsong, „More Than A Lover“, „She's Coming Around“ und „Coney Island“ mehr noch als auf den Vorgängeralben vermittelt. Immer wieder spielen The Coral eine ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten aus: Schon wegen des immer etwas verpennt wirkenden Gesangs und des moderaten Tempos erscheint das ganze ab und an ein wenig schlafmützig. Genau dann setzt die Band auf kleine, extrem smarte musikalische Haken und Ösen, für die man gemeinhin gern das Wort „Indie“ benutzt: Hier mal ein plötzliches furioses, fast schon noisiges Instrumental-Finish, bissige Gitarren inmitten eines eingängigen Popsongs, unkonventionelle Keyboards und Orgeln, und so weiter, etcetera, pp. Dafür liebt man sie. Und auch deswegen hat diese Band solche Promotexte eigentlich nun wirklich nicht nötig.