DETAILS

Interpret:
The Big Pink

Plattentitel:
A Brief History Of Love

Label:
4AD / Beggars Group / Indigo

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
9.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 21.09.2009

PLATTENKISTE

The Big Pink - A Brief History Of Love

The Big Pink - A Brief History Of Love

There is a light that never goes out. Irgendwo am Ende eines dunklen, langen Korridors steht, besser: schwebt eine Kerze, die mit ihrem dämmrigen Schein mehr Schatten als Licht wirft. Dort, in der finstersten Ecke eines alten Gemäuers, halten sich Milo Cordell und Robbie Furze auf, um als The Big Pink die Welt zu erobern. Hier haben sie sich ihren My-Bloody-Valentine-Schrein eingerichtet, direkt neben der Jesus- und-Maria-Kette, die an der Wand hängt.

Willkommen in der dunklen, dunklen Welt von The Big Pink, in der jedes Lächeln eine Sünde ist. In der die Monotonie zum Stilmittel auserkoren wurde. In der ein Song wie „Crystal Visions“ durch die Feedbackmühle gedreht wird, bis am Ende nicht mehr übrig bleibt als sakrale Größe, zu der man andächtig auf seine Schuhe starrt, die ununterbrochen wippen.

Mit was für einer Selbstverständlichkeit The Big Pink hier Musik machen, als sei es immer noch 1989 und als hätte es Oasis, Blur und all die anderen Bands die in den Neunzigern folgten, nie gegeben, zeugt von einem großen Selbstvertrauen. Unterstrichen wird dies durch die Tatasche, dass sie ihre Single „Stop The World“ nicht mit aufs Album packten, da ihnen der Refrain zu sehr nach Snow Patrol klang. Was natürlich ausgemachter Blödsinn ist, denn diese könnten sich mehr als glücklich schätzen, wenn ihnen wenigstens ein Song des Kalibers „Velvet“ gelingen würde. Wie eine Dampfwalze auf einer leeren Autobahn ebnet sich der Song seinen Weg und zieht seine Schneise: „She‘s the only one / Lost the best I had / I found her in a dream / Looking for me“.

Auch an anderen Ecken wird nach der großen, unerwiderten Liebe gesucht: „If you really love him / Tell me that you love him again and go“ wird die Angebetete in „Love In Vain“ angeschmachtet. In „Dominos“ dann das umgekehrte Bild: Hier sind es die Mädchen, die wie Dominosteine reihenweise dem Herzensbrecher erliegen und wir als Hörer können auch nicht anders als und voll und ganz diesem dunklen, monströsen Beat hinzugeben, der in einen der wundervollsten Refrains des Jahres mündet.

The Big Pink sind beim renommierten 4AD-Label, wo vor ihnen schon Bands wie die Pixies, Dead Can Dance oder die Cocteau Twins unter Vetrag waren. Genau wie alle großen Bands des Labels verstehen es auch The Big Pink meisterhaft, nicht alles grell auszuleuchten, sondern mit Licht und Schatten zu spielen. Obwohl der Sound groß und gewaltig klingt, sich sphärisch in die Höhe schraubt, kann man am Ende doch nur Konturen erkennen, die sich vor dem inneren Auge zu einem gewaltigen Abenteuerspielplatz auftun. Obwohl „A Brief History Of Love“ so unverhohlen mit seinen Achtziger-Jahre-Shoegazer-Referenzen spielt, ist dieses Album doch so sehr Spiegelbild des Jahres 2009. In einem Jahr, wo die besten Alben reihenweise mit der Vergangenheit, im besonderen den Achtzigern, kokettieren, hat „A Brief History Of Love“ allerbeste Voraussetzungen, um in den Bestenlisten des Jahres ganz vorne zu landen.


 

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