Interpret:
Surfer Blood
Plattentitel:
Astro Coast
Label:
Kanine / Indigo
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
8.0 von 10
Autor:
Jan Nicolai Kolorz
Köln, 15.06.2010
Da braucht es sechs lange Monate, bis es die wütenden Wellen geschafft haben, Surfer Blood über den weiten Atlantik zu uns zu spülen. Der weiße Hai war es nicht, dem die verspätete Veröffentlichung hierzulande geschuldet ist, denn diesen haben sie kurzer Hand auf ihrem Cover dekonstruiert. Das hat man als Hai davon, wenn man Surfer frisst. Doch nicht nur Spielberg, vor allem die Beach Boys strafen Surfer Blood Lügen. Der Opener „Floating Vibes“ entmystifiziert den College-Surf-Rock und seine Leitmotive: „If you're movin' out to the west / Then you'd better learn how to surf / The tide will break in on itself / There are no ghosts to exhume or unearth.“ Die Cheers, die Surfin' Vibrations sind für Surfer Blood keine hedonistischen Lebensinhalte, sondern sie fließen vorbei, sie sind nichts als ein hässlicher Sonnenbrand. („When you wake up in the morning / And you hear that awful applause / Put it in your fuckin' napkin and watch it dissolve“). Pumpende Gitarren-Hooks, im Sound von Pavement, in der Idee sehr nah am blauen Weezer-Album gehalten, sind nicht nur hier integraler Bestandteil des Songwritings.
Auf der folgenden Single „Swim“ ergreift uns Sänger John Paul Pitts mit einer Wagenladung Hall für die ganze Familie. Und wir haben keine Wahl, als uns dieser musikalischen Naturgewalt zu stellen, außer auf die Bridge zu warten, die dann wieder Paul Simon und seine Enkel von Vampire Weekend durchlingen lassen. Der Einfluss Letzterer ist auf „Take It Easy“ so unverkennbar zu hören, dass man es sogar mitten im Schwall von südafrikanischen Traditionströten erkennen könnte. Die Songs „Twin Peaks“ oder „Fast Jabroni“ kommen sogar unerhört britisch daher. Gemeint sind Mod-Rudimente wie die späten Jam oder The Creation, die aber schnell wieder vergessen werden können, wenn Surfer Blood uns gegen Ende der Platte einen der paradigmatischsten Indie-Songs dieser Tage nicht vorenthalten wollen. Einem Außerdirdischen, der noch nie zuvor das Wort „Indie“ in seinem semantischen Zentrum verorten konnte, würde man warscheinlich „Catholic Pagans“ vorspielen - sollten die Pixies dann schon wieder uncool sein. Ruhig und bescheiden, hören wir hier ein Statement zur Lage der Surfnation, wie sie unbeschönigter und ehrlicher nicht hätte sein können.
Video: „Swim“
Surfer Blood "Swim" from Neue Films on Vimeo.