DETAILS

Interpret:
Superpunk

Plattentitel:
Die Seele Des Menschen Unter...

Label:
Tapete / Indigo

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 07.06.2010

PLATTENKISTE

Superpunk - Die Seele Des Menschen Unter...

Superpunk - Die Seele Des Menschen Unter...

Großartig, schon immer gewesen. Eigentlich könnte man damit die Review auch schon wieder beenden, denn was soll man groß schreiben über Superpunk, was nicht sowieso schon jeder weiß. Die Hamburger sind Deutschlands Beat-Bewahrer, hundsgemeine Hymnenschreiber und gutes Gewissen einer oft leicht eingebildeten Szene von norddeutschen Rockmusikanten.

Zur Produktion ihres neusten Albums haben sich Superpunk prominente Unterstützung eingeladen und Bernd Begemann Knöpfchen und Regler bedienen lassen. Vielleicht ist es diesem Umstand geschuldet, dass einige Stücke auf „Die Seele Des Menschen Unter Superpunk“ daher enorm glatt und aufwändig produziert sind. In „Ich Will Heute Nicht Kämpfen“ oder „Alle Lieben Dich, Daniela“ muss man sich daher erst reinhören, bevor man die Fabelhaftigkeit der Lieder erkennt und einen Disco-Schleicher wie „Das Feuerwerk Ist Vorbei“ zu spielen, ohne wie die homosexuellen Heimorgel Hallodris zu klingen, muss man auch erstmal schaffen.

Abgesehen von angesprochenen Wohlklangsexperimenten, herrschen jedoch im Hause Superpunk auch 2010 einzig und allein Superpunk und die gaben sich schon immer Mühe, vermeintlich verdrängte Genres wie Northern Soul und Mod-Beat wiederzubeleben. Direkt der Opener „Ford Escort“ ist eine solche Sixties-Schablone, führt Orgel und wippende Füße ein. Weiter geht es mit dem nicht minder ansteckenden „Ich Bin Nicht So Wie Jeder Andere Auch“. Es darf geschunkelt und an den frühen Udo Lindenberg gedacht werden.

In der Mitte des Albums startet dann wie erhofft die große Hymnen-Revue. „Das Waren Mods“ besingt Ursprünge und Herzblut der Band, während das eingängige, sympathisch anstachelnde „In Der Bibliothek“ die literarischen Vorlieben augenzwinkernd auflistet. „Die Dancer, die Lover, die Surfer am Meer/ ich beneide sie schon, aber nicht so sehr“, erschallt es in typischer Superpunk-Laune, bis mit „Rette Dich Vor Den Einfachen Leuten“ der ganz große Wurf folgt. In Reminiszenz an die Small Faces oder The Who wird harter Beat zelebriert und gegen jene gewettert, die „so grausam und genügsam" sind. 

Das Abschluss-Doppel schließlich wird eingeleitet von einem Duett, das man so vielleicht auch in einem Musical-Film der 80er Jahre oder auf einer LP von Dexy's Midnight Runners finden könnte. „Oh, Dieser Sound“ ist eine weitere Lobpreisung der Grundbedingung Popmusik und auch der finale Song „Babylon Forever“ will in erster Linie Identität stiften. Die Hansestadt wird besungen als Tränentrockner, wo du immer jemanden findest, „der dir einen Gin Fizz" ausgibt. Große Hure Babylon klingt irgendwie anders. Superpunk auch.

Video: „Das Feuerwerk Ist Vorbei“


 

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