Interpret:
Strong Arm Steady
Plattentitel:
In Search Of Stoney Jackson
Label:
Stones Throw / Groove Attack
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.5 von 10
Autor:
Michael Weber
Köln, 22.03.2010
Welcher Jackson da wohl gesucht wird? Dem Cover nach zu urteilen, könnte es sich hier tatsächlich um den im letzten Jahr verstorbenen King of Pop handeln. In ganz jungen Jahren versteht sich. Noch mit krausem Haar und ohne die so wundersam eingesetzte Bleiche. Nein, natürlich nicht. Wenn überhaupt ist Michael Jackson hier nur ein Zitat, ein Verweis oder ein dezentes Augenzwinkern wert. Der gesuchte „Stoney Jackson“ ist bei diesem Album einer „Hip Hop Jam-Session“, das auf unser aller Lieblings-Underground HipHop-Label, Stones Throw erschienen ist, selbstverständlich kein geringerer als Otis Jackson, Jr. - aka Madlib. Trotzdem ist Michael hier nicht bloß als Silhouette vertreten, denn aufgenommen wurde „In Search Of Stoney Jackson“ unter Anleitung von Jackson-Produzent Quincy Jones.
Erstmalig in der Geschichte von Strong Arm Steady (Mitchy Slick, Phil The Agony & Krondon), jenem Gegenentwurf und Ziehkind zum Ganggehabe des legendären Death Row-Lables aus Los Angeles, wurde ein Album komplett von einem Produzenten entworfen. Ein Entschluss, der wie schmackhaft gewürzt klingt. Womit auch gleich eine Textzeile von Planet Asia in „Chittlins & Pepsi“ einen ganz anderen Beigeschmack bekommt: „My honey loves mustard“. Ja, was Madlib produziert, bekommt seine ganz eigene Note. Und wenn J.Rocc sich dann auch noch um A&R- und Cut-Angelegenheiten für Strong Arm Steady kümmert, kann das vorliegende Ergebnis seiner Lässigkeit nach nicht enttäuschen. So kann man sich absolut sicher sein, hier ein reines Strong Arm Steady-Stones Throw-Album zu hören, das einige der feinsten MCs aus den gesamten USA zu Höchstformen vereint. Hier nur ein Auszug: Talib Kweli, Oh No, Roc C und Guilty Simpson.
Auch wenn Strong Arm Steady sich seit ihren Anfängen -damals noch mit Xzibit - stets als Alternative zum Jiggy und zu den Gangstern versteht, macht es auch überhaupt nichts, wenn mit Strophen wie „I came to do damage / From the best to the avarege / I blow doors fully / And punch motherfuckers like a grey school bully“ („True Champs feat. Montage One, Evidence, Oh No & Roc C“) ordentlich austeilen. Die Jungs dürfen das. Und außerdem sollte es nur als Understatement verstanden werden, das die Absurdität der Gang-Mentalität aufzeigen soll. Ansonsten steht auf „In Search Of Stoney Jackson“ aber immer der Hang zum Positiven im Leben im Vordergrund. „Before you earn a dollar earn your respect“, heißt es da beispielsweise in „Get Started feat. Talib Kweli“. Besonders sticht allerdings der mit Phonte von Little Brother produzierte Opener „Best Of Times“ hervor. „Life is a puzzle I put it together“. Aber auch das gemeinsam mit Planet Asia und Tri-State gerappte „New Love“, weiß durch das weibliche Geschlecht liebende Zeilen in der Hook wie „I see it at first sight and I knew it was gonna be love / A feeling I can't fight and hope she is my new love“ zu überzeugen.
Der Nachteil, dass hier viele -wirklich gute- MCs ihr Bestes geben, aber leider nicht zu 100% auf einen harmonischen Nenner kommen, wird allerdings durch Madlibs herausragende Produktionen wett gemacht. Die hier versammelten Beats sind vom Feinsten und können ihrem Klang nach nur seinen staubigen Fingern entsprungen sein. Die dezente Mischung aus jazzigen, souligen und funky Samples zu knisternden Beats und schleppender Rhythmik ist einfach Madlibs Steckenpferd. Alleine die bereits genannten Tracks, der insgesamt 18 Produktionen auf „In Search Of Stoney Jackson“ sind hervorragende Beispiele seiner gediegenen Art, die Samples zu vermengen. Einzig vom einminütigen „Telegram“ hätte ich mir mehr erwartet. Das allerdings auch nur, weil es so kurz ist und mich das tänzelnde Klavier-Sample in Verbindung mit dem zuckrigen Sample einer Frauenstimme entzückt hat.
Stream: „Best Of Times feat. Phonte“