Interpret:
Squarepusher
Plattentitel:
Just A Souvenir
Label:
Warp / Rough Trade
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
8.5 von 10
Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 03.11.2008
Wer im laufenden Jahrzehnt wache Ohren hatte, dem braucht man den Namen Squarepusher wohl nicht mehr erklären. Beschränken wir uns daher in Sachen Personalia darauf, die Soundtrack-Zusammenarbeit mit Sofia Coppolla und reichlich Lob von Neptunes bis Thom Yorke zu erwähnen, nähern uns stattdessen lieber schnell dem eigentlichen Anlass für diese Zeilen. „Just A Souvenir“ ist das mittlerweile elfte Album des Multiinstrumentalisten und Produzenten und erscheint einmal mehr bei der geschmackssicheren Electro-Schmiede Warp. Ursprungsgedanke der Platte war laut Aussage des Künstlers dabei, der Tagtraum von einem ausgesprochen sonderbaren Rockkonzert einer hübsch-verrückten Band. Und so klingen die Lieder tatsächlich deutlich mehr nach vollem Orchester, denn kalter Produzentenkabine.
Allerdings ist von rockiger Partystimmung eingangs noch nicht viel zu merken. Viel eher stellen die Synthie-Fanfaren von „Star Time 2“ die Eröffnungshymne des kunterbunten Raumfluges dar, der wenig später folgen soll. Ähnlich einer 70er-Jahre-Titelmelodie plätschert das Stück seinen packenden Nachfolgern entgegen. Denn schon im zweiten Songs „The Coathanger“ deutet sich an, was wenig später Gewissheit sein soll: diese Platte hat deutlich mehr mit Funk zu tun, denn Techno. Auch wenn es stellenweise ordentlich hämmert, bleibt alles im wippenden Fluss. Das großartige „A Real Woman“ leitet eine Reihe unaufhörlicher Höhepunkte ein und liefert zahlreiche Gründe dieser Musik zu verfallen. Der Space Trip ist dabei, so richtig an Fahrt zu gewinnen, wenn ein meisterliches Schlagzeug konstant zu euphorischer Eile antreibt. „You're important / because you're real“, beschwört die Vocoder-Stimme dazu. Diese Klänge wurden aus fernen Galaxien geschickt, dass merkt man nicht nur am massiven Einsatz von klanglichen Science-Fiction-Referenzen.
Weiter geht die wilde Fahrt und „Delta-V“ ergeht sich in unvermittelten Stopps, Rhythmuswechseln und einem trockenen Rocksound. Squarepusher holt den Knüppel aus dem Sack und schmiedet auf glühend heißer Flamme Hendrix, Battles und Goldie zusammen. Es folgt mit „Aqueduct“ ein sphärisches Zwischenspiel, bis kurz darauf „Planet Gear“ den Punk Rock über Synthesizer tanzen lässt. „Tensor In Green“ dagegen klingt nach einem Wohnzimmerkonzert der Adams Family auf einem Acid Trip. Brachiale, aber kompakte Beats wummern zu spukender B-Movie-Kulisse. Auch das folgende „The Glass Road“ spielt mit verwunschenen Orten und stellt Geister-Orgeln einem sägenden Schlagwerk gegenüber. So präsentiert sich Squarepusher als John Carpenter der Tanzfläche, bis „Quadtratur“ und „Yes Sequitur“ gegen Ende in eher loungige Jazzwelten entführt.
Man könnte das hier analogen Psychedelic Nintendo Funk nennen. Oder einfach Future Jazz. Am besten versucht man allerdings gar nicht erst, diesem Kind einen Namen zu geben, sondern ergötzt sich am gewaltigen Tatendrang und der Ideenflut dieses Albums. Solch ein Souvenir braucht es, um die Reise in Erinnerung zu halten.