Interpret:
Sophie Zelmani
Plattentitel:
I'm The Rain
Label:
Epic / Sony BMG
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
5.5 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 01.03.2010
Berechenbarkeit hat auch manchmal sein Gutes. Es ist zum Beispiel gut zu wissen, dass Wasser bei 0° C gefriert, dass Bäume im Herbst ihre Blätter verlieren und dass ein neues Album von Sophie Zelmani bis an die Schmerzgrenze gefühlvoll gehauchte Song-Kleinode enthält. Diese Berechenbarkeit schützt uns vor der Enttäuschung einer nicht erfüllbaren Erwartungshaltung. Es ist gut, sich dieses immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, wenn man sich das neue, mittlerweile neunte Album Sophie Zelmanis anhört. Ansonsten könnte man allzu leicht enttäuscht werden.
Denn auch auf „I‘m The Rain“ weicht Frau Zelmani nicht von ihrer altbewährten Formel ab, zerbrechliche, von jedem Arrangement-Ballast befreiten Folksongs zu singen, nein, zu flüstern. Ihre Begleitmusiker bauen eine zärtliche Beziehung zu ihren Instrumenten auf, streicheln die Gitarrensaiten, die Klaviertasten, selbst das Schlagzeug wird größtenteils nur mit Besen bespielt. So schont man seine Instrumente. Das einzige, was nicht geschont wird, ist Zelmani selbst, die mit allgemeinen Worten ihr Innerstes nach Außen kehrt: „The times for lovers / sometimes end / some kinds can be staying / mine must leave again“ singt sie im Titelstück, das mit gurgelnden Klavierläufen und traurigen Akkorden zum Herzstück der Platte wird.
Wenn uns die schöne Zelmani im Booklet mit rehäugigem Blick und entblößtem Rücken anschaut, so ist dieses weniger der Versuch über die „nackte Haut“-Variante Aufmerksamkeit zu erhaschen, sondern vielmehr die Versinnbildlichung der Songs, die die Sängerin verletzlich und einsam mit sich selbst zurücklassen. Obwohl sich „I‘m The Rain“ angenehm in die lange Reihen der Zelmani-Veröffentlichungen einreiht, bleiben doch am Ende zu wenige Songs, an die man sich noch erinnert, die einen nicht nur kurz berühren, um dann wieder in der Kiste der Erinnerungen zu verschwinden. Da hätten wir es dann wieder, die Krux mit der Berechenbarkeit.