Interpret:
Sophie Hunger
Plattentitel:
1983
Label:
Two Gentlemen Records / Indigo
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.0 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 19.04.2010
Nur ein knappes Jahr nach „Monday‘s Ghost“ veröffentlicht Sophie Hunger ein neues Album, „1983“. Ihr Geburtsjahr. Schon auf ihrer Tour im letzten Jahr reifte der Entschluss, ihre Impressionen und neugesammelten Ideen in ein neues Album zu stecken. Selbstsicherer sei die Schweizer Newcomerin auf Tour geworden, sagt sie in der Presseinformation. Dies hört man den 14 Songs auch an. Was auf „Monday‘s Ghost“ noch leicht verhalten anklang, findet nun auf „1983“ seine Vollendung.
Hungers Spektrum, das auf dem Debütalbum noch größtenteils aus Jazz-, Folk- und Chansonanleihen bestand, erweitert sich auf „1983“ um eine rhythmusorientiertere, Downbeat-lastige Komponente. Im eineinhalbminütigen „Approximately Gone“ kombiniert Hunger ein schepperndes Schlagzeug mit einem hypnotisch schlurfenden Basslauf und ihrer ausdrucksstarken Stimme. Auch das folgende „Invisible“ überzeugt durch einen treibenden Beat, der sich mit einem unorthodoxen, direkten Klaviersolo mischt.
Dies zeichnet Sophie Hunger und speziell „1983“ aus: trotz ihres eher klassisch geschulten Backgrounds, mit dem sie noch auf „Monday‘s Ghost“ reüssierte, gibt es nun an allen Ecken und Enden kleine Widerhaken und Ideen, die das Album auflockern und so zu einer angenehm vielfältigen Angelegenheit machen.
Dazu zählt auch, dass Hunger mittlerweile in vier verschiedenen Sprachen singt. Deutsch, französisch, schwyzerdütsch, wobei der Schwerpunkt nach wie vor auf den englisch gesungenen Songs liegt. Bemerkenswert hierbei ist, dass Hungers ansonsten liebliche Stimme vor allem in dem auf deutsch gesungenen Titelsong ungewohnt direkt und aggressiv klingt. Hier wirkt die ansonsten unnahbar perfekte Hunger plötzlich ganz intim und verletzlich: „Komm, bitte sing‘ mir ein Volkslied / Auch wenn es das nicht mehr gibt“. Man möchte ihr diesen Wunsch auf der Stelle erfüllen. Doch zunächst möchte man ihr noch eine Weile zuhören.
Video: „Le Vent Nous Portera"