Interpret:
Sonic Youth
Plattentitel:
The Eternal
Label:
Matador / Beggars / Indigo
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.5 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Köln, 16.06.2009
Langsam aber sicher haben sich Sonic Youth zum überall anerkannten Kulturgut entwickelt. Museen widmen ihnen ganze Ausstellungen, in denen die Band als Gallionsfigur einer alternativen Jugendkultur in den Achtzigern dargestellt wird, die Musik und Kunst zu einer untrennbaren Masse zusammenschweißte, indem sie auf alle Konventionen pfiff. Somit ist die Ankunft der Band in den altehrwürdigen Kulturhallen der Welt der einzig logische Schritt.
Doch wie bei einer jeden Retrospektive bedeutet auch bei Sonic Youth die Rückschau auf frühe Großtaten nicht nötigerweise Belanglosigkeit im Hier und Jetzt. Das beweist die Band um den neu dazugestoßenen Ex-Pavement-Bassisten Mark Ibold eindrucksvoll auf ihrem neuen Album „The Eternal“. Wer jedoch hoffte, dass Sonic Youth durch ihre Rückkehr auf das Indielabel Matador (nach 17 Jahren bei Geffen) wieder kompromissloser als auf den Vorgängerwerken „Sonic Nurse“ und vor allem „Rather Ripped“ zu Werke gehen würden, sieht sich getäuscht. Sonic Youth haben aus ihrer Nische mittlerweile eine noble, leicht heruntergekommene Villa errichtet, aus der sie nur einen dissonanten Gitarrenakkord wie zu Beginn von „Sacred Trickster“ entsenden müssen, um für absolute Wiedererkennung zu sorgen. Der Fehler, das Unvollendete, wird hier in Verbindung mit den glasklaren Ideen zu einem Panoptikum der Möglichkeiten einer Band auf dem Zenit ihres Schaffens.
Wenn man für eine Sekunde die alten Gesichter Thurston Moores, Lee Ranaldos und Kim Gordons vergisst, könnte „The Eternal“ ohne Weiteres das Werk von juvenilen Mittzwanzigern sein, die mit einer Unbedarftheit ans Werk gehen, als sei dies ihre einzige Möglichkeit, sich einem größeren Publikum vorzustellen. „Anti-Orgasm“ sägt mit einem tighten LoFi-Gitarrenriff am Nervenkostüm der Zuhörer, während Moore und Gordon gemeinsam kämpferisch ins Mikrofon stöhnen. Nach dreieinhalb Minuten fließt der Song dann in eine meditative Jamsession über, die mit allerlei ätherisch-alternativen Klängen aufwartet.
Sonic Youth beherrschen nach wie vor den anspruchsvollen Spagat aus Noise und Melodie, laut und leise. Ob das „The Eternal“ nun zum idealen Einstiegswerk macht, sei dahingestellt. Auf alle Fälle machen sie es einem wieder einmal leicht, sich in ihren verwinkelten Songs zu verlieren.