Interpret:
Son Kas
Plattentitel:
Wasserleichentreiben
Label:
Postrap
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.5 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Köln, 29.11.2010
Gerade erst hat man noch begeistert und mit offenem Mund die neuesten Veröffentlichungen von Epilog & Misanthrop sowie Das Fest besprochen, schon gibt es das nächste großartige Album aus dem Hause Postrap - „Wasserleichentreiben“ von Son Kas. Und wie bereits bei den beiden vorherigen Releases hat auch hier der Rapper Epilog seine Finger im Spiel und steuert stilsicher und mit einer schier endlos aneinandergereihten Assoziationskette Bilder von einer aus dem Ruder laufenden Zivilisation bei.
Wie kleine, utopisch naive Essays lesen sich Epilogs Texte, die einen gerade deswegen so unerwartet in der Magengrube treffen: „So. Wir bezahlen materiellen Reichtum mit geistiger Armut, doch auch der geht und was bleibt ist einfach die Armut. Ihr feilscht noch um vage Leistung im starken Lebenslauf und solltet doch gleich auf die Straße, denn wenn nicht jetzt wann dann?“ („Wachkomawandeln“) Es ist mehr Spoken Word als konventioneller Rap, wenn Epilog erst einmal loslegt, sich nicht lange mit konventionellen Reim-Schemata aufhält und doch entwickelt dieser dystopische stream of consciousness einen ganz eigenen Rhythmus, der den Hörer sofort in seinen Bann zieht.
Unterstützt wird Epilog dabei kongenial von Azabeats, der den Texten mit einer ungewöhnlichen Mixtur aus analog krachigen Drumbeats und sanften, melodieverliebten Klavierparts den passenden musikalischen Nährboden liefert. Die Apokalypse ist so nur einen Katzensprung entfernt und dank des düster kaputten Sounds unabwendbar. „Kleines Universum“ beginnt furchteinflößend mit einem sauren Regentonnen-Beat, dazu schnarrt ein mutierter Keyboardbass, bis sich der Song wie aus heiterem Himmel um 180 Grad dreht und in einem lieblich hingetupften Mittelteil mündet. Es sind diese unvorhersehbaren Momente, diese unnachahmliche Gratwanderung zwischen Beat und Melodie, die „Wasserleichtentreiben“ zu einem spannenden Werk machen und einmal mehr die Relevanz des noch jungen Labels Postrap eindrucksvoll unterstreichen.