DETAILS

Interpret:
Soap&Skin

Plattentitel:
Lovetune For Vacuum

Label:
PIAS / Rough Trade

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
9.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Renate Bichert
Remscheid, 16.03.2009

PLATTENKISTE

Soap&Skin - Lovetune For Vacuum

Soap&Skin - Lovetune For Vacuum

Die achtzehnjährige Anna Plaschg aka Soap&Skin wurde in Österreich als das nächste Wunderkind gefeiert, noch bevor sie ihr Debütalbum „Lovetune For Vacuum” veröffentlicht hat. Sie zierte sogar das erste Cover des jungemanzipatorischen Popmagazins „Missy“, als gerade mal ihre erste EP veröffentlicht war. Nur durch ihre Liveshows hat sie Journalisten und Musikliebhabern zum Staunen darüber gebracht, dass eine Achtzehnjährige solche Musik kreieren kann. Doch sehen wir mal von dem Kind ab und betrachten das Wunder, denn der Hype um Soap&Skin ist durchaus berechtigt. „Lovetune For Vacuum“ ist jetzt schon eines der besten Alben 2009. Mit ihren düsteren Melodien und der leidenden, sanften Stimme kitzelt Soap&Skin an den Nerven bis sich die Nackenhaare aufstellen. Einerseits ist „Lovetune For Vacuum“ gruselig und elektrisierend, fast schon morbide, wie ein vertonter Horrorfilm. Andererseits kann es auch unschuldig klingen, einige Songs erinnern sogar an Schlaflieder.

„Spiracle“ ist einer der düsteren Songs. Er erzählt von den Schmerzen und Ängsten eines Kindes. Plaschgs Stimme klingt währenddessen auch wie die eines verängstigten Kindes, doch plötzlich schreit sie. Es ist nur ein kurzer Schrei, doch er reicht aus, um jede Zelle des Körpers mit Angst zu füllen. „Cry Wolf“ und „DDMMYYYY“ gehören zu den Songs mit der Schlafliedatmosphäre. Die Texte in diesen Songs solte man Kindern vielleicht lieber nicht übersetzen, wenn man ihnen keine Alpträume wünscht, doch ist die Musik sehr beruhigend. Vor allem die beiden letzten Songs „DDMMYYYY“ und „Brother Of Sleep“ schließen das Album auf eine schleichende Weise ab, sodass man sich nicht mehr ganz so gruseln muss, wenn man das Album durchgehört hat. Beim Stichwort „Brother Of Sleep“ fällt der Gedanke auf „Schlafes Bruder“, den Roman von Robert Schneider. Auch dieses Buch erzählt von einem österreichischen Wunderkind, wie Plaschg eines ist. Genau wie in diesem Roman bedingen sich bei Soap&Skin Genie und Wahnsinn.

Gegensätze findet man auch unter den Instrumenten auf „Lovetune For Vacuum“. Plaschg verbindet klassische Instrumenten mit elektronischen Spielereien und klingt dabei weder nach Klassik noch nach Electro. Das Klavierspiel spiegelt ihr sanftes und zerbrechliches Wesen wieder, das sie in ihren Texten preisgibt, die Synthesizer dagegen sind hart und kalt. Weder ihr Klavierspiel noch ihre Stimme sind außergewöhnlich gut, doch das Außergewöhnliche liegt darin, wie sie diese Element zusammen mit elektronischen Spielereien zu einem bombastischen Ganzen zusammenfügt.

Man sucht lange nach einem guten Vergleich für Soap&Skin. Von Radiohead über Nico und Björk, Brahms und Beethoven - ihre Musik ist nie wirklich vergleichbar, oder wenn überhaupt garnieren diese Einflüsse Plaschgs Musik - der Kern ist und bleibt nur mit Soap&Skin vergleichbar. Es hört sich an, als wären diese Songs aus sich selbst heraus in einem verlassenen Häuschen irgendwo in der österreichischen Pampa entstanden. Wenn das erst das Debüt von Soap&Skin ist, wage ich mir gar nicht auszumalen, was in den nächsten Jahren noch von ihr kommen wird.


 

Freunde

 
 
 
 

Wir Präsentieren:

 
 
 
 

Prunkstücke