Interpret:
Simian Mobile Disco
Plattentitel:
Temporary Pleasure
Label:
Wichita / Cooperative Music / Universal
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.0 von 10
Autor:
Christopher Szwabczynski
Steinfeld, 31.08.2009
Von Simian Mobile Disco hörte man in den Vergangenheit eigentlich nur Gutes. Ihr Debüt-Album „Attack Decay Sustain Release“ schlug wie eine Bombe in die internationale Elektro-Szene ein. Nicht nur im Club sorgten Songs wie „It's The Beat“ oder „Hustler“ für ausgelassene Stimmung, sondern insbesondere auch bei den Live-Gigs. Auf dem diesjährigen Melt! Festival lenkten die Live-Qualitäten der Briten James Ford und Jas Shaw von dem ungeheuren Unwetter ab und ließen jeden im Gemini-Zelt ekstatisch und unbekümmert weiter tanzen.
Umso überraschter war ich als mir gesagt wurde, dass das neue Album „Temporary Pleasure“ nichts kann. Natürlich ist es auch für Musiker, die ihr Schaffen auf elektronische Musik konzentrieren, schwer ein Maßstab-haltendes zweites Album herauszubringen. Doch sollten Simian Mobile Disco mit der hochkarätigen Unterstützung, die sie sich geholt haben, keine Probleme haben, an die Erfolge des debütierenden Albums heran zu kommen.
Gleich der erste Song „Cream Dream“ wird vom Super-Furry-Animals-Sänger unterstützt. Sicherlich kann das Angeln von namenhaften Künstlern nicht die Gewissheit geben, ein erfolgsgekröntes Album zu produzieren. Im Opener ist es jedoch geglückt. Die rauchige Stimme von Gruff Rhys gibt dem Sound etwas Erdiges. Es wirkt, als gehen Simian Mobile Disco diesmal mehr in Richtung Song als zuvor. Wenn man auf „Attack Decay Sustain Release“ House-Tracks fand, die über zehn Minuten dauerten, überschreitet hier kein Song die Sechs-Minuten-Grenze. Für die erste Single-Auskopplung „Audacity Of Huge“ holten sich Ford und Shaw Chris Keating, Sänger der Yeasayer mit ins Boot. Hier hört sich zwar alles wieder gewohnt nach House mit smoothen Beat an, ist aber in keiner Weise kalter Kaffee. Vielmehr wirkt es so, als hätten Simian Mobile Disco die Zeit zwischen dem ersten und aktuellen Album genutzt, um zu reifen und zu gedeihen.
Die Liste der Gastmusiker ist damit jedoch noch lange nicht am Ende. In „Cruel Intentions“ gibt Beth Ditto ihre Stimme her, um einen glasklaren Popsong abzuliefern, der mit den Auf-Und-Ab-Synthesizern zum groovigsten Lied von Simian Mobile Disco wird. Mit „Off The Map“ geht es wieder ein Stück Richtung „Hustler“, nur mit Jamie Lidell Stimme. Doch wer glaubt, mit Gossip-Sängerin Ditto den Höhepunkt erreicht zu haben, hat weit gefehlt. „Bad Blood“ kommt mit der Stimme von Alexis Taylor daher und wird zum Ruhepol des Albums, zeitgleich aber auch der verträumte Lieblings-Song von „Temporary Pleasure“. Das große Finale „Pinball“ bekommt mit den Stimmen und den ähnelnden Sound des Telepathe-Duos sein i-Tüpfelchen.
Das zweite Album von Simian Mobile Disco wird es ebenso wie „Attack Decay Sustain Release“ schaffen, die Körper der tanzenden Masse auf der Tanzfläche in den Clubs und den Konzerthäusern zum vibrieren zu bringen. Trotzdem ist „Temorary Pleasure“ genau wie der Name sagt: Temporäres Vergnügen.
Video: Audacity Of Huge