DETAILS

Interpret:
Simian Mobile Disco

Plattentitel:
Sample And Hold

Label:
Wichita / Cooperative Music / Universal

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
7.5 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Tristan Klocke
Hildesheim, 01.08.2008

PLATTENKISTE

Simian Mobile Disco - Sample And Hold

Simian Mobile Disco - Sample And Hold Als James Murphy zweittausendzwei seine Debüt-Single „Losing My Edge“ veröffentlicht, singt er: „I Heard That You And Your Band Have Sold You Guitars And Bought Turntables“ und könnte dabei ebenso die Entwicklung der englische Rock-Band Simian im Sinn gehabt haben. Simian sind sozusagen posthum berühmt geworden. Aus den Trümmern der Band erheben sich die Mitglieder James Anthony Shaw und James Ellis Ford - sie geben sich das Suffix Mobile Disco. Damit reduziert sich nicht nur die Anzahl der Bandmitglieder, sondern auch der Sound. Fortan widmen sich die beiden elektronisch produzierter Musik. Im Sommer vergangenen Jahres erscheint die LP „Attack Delay Sustain Release“ und räumt kräftig in der Szene auf. Von einer Annäherung der Genres ist dort die Rede. Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört – endlich. Die Platte schafft erfolgreich den Spagat zwischen Electronica und Indie Rock und manifestiert sich damit in den Nacht-Clubs dieser Welt.

Anschließend wird es etwas ruhiger um das Duo. Der Name James Ford tritt als Produzent von Bands wie den Klaxons, Arctic Monkeys und Last Shadow Puppets in Erscheinung. Im Frühjahr 2008 dann wieder ein Appetizer: Die „Clocks EP“ wird veröffentlicht. Sie kann das hohe Niveau der LP halten. Kurz darauf die Nachricht eines Remix Albums mit dem stilgerechten Namen „Sample And Hold“. An sich keine große Überraschung und ein konsequenter Schritt in puncto Veröffentlichungspolitik. Bloc Party und Soulwax haben es vorgemacht. Das es sich bei „Sample and Hold“ dann aber doch um mehr als eine ökonomische Zweitverwertung handelt, findet man sehr schnell heraus. Mit Joakim, Cosmo Vitelli, Shit Robot und Erol Alkan versammeln sich einige vielversprechende Clubjünger auf der Platte.

Schon zu Beginn startet Simon Baker mit seiner House-Interpretation von „Sleep Deprivation“ ziemlich durch. Er bläst den Track auf epische zehn Minuten Länge auf. Durch den typischen Super Mario Sound eines hüpfenden Feuerballs gewinnt der Song einen gewissen Nerd-Charakter, der ihn auch nach mehrmaligen Hören interessant bleiben lässt. Das gleiche gilt für den „Hustler“ Remix vom französischen Produzenten Joakim Bouaziz. Am Anfang steht eine kleine Finte, in Form eines klassischen Streicher-Arrangements, kurz darauf kippt der Song wieder um und verwandelt sich in ein gieriges Clubmonster, das von wabernden Pitch-Experimenten gefüttert wird: „If I Had The Money To Go To A Record Store, I Would“. Das Original Album flacht zur Mitte hin etwas ab und verstrickt sich dann mit Tracks wie „Wooden“ und „Scoot“ in komplexere Strukturen. Daran scheitern auch die Auslegungen von Danton Eeprom und Silver Apples. Ganz im Gegenteil zum „Love“ Remix von Erol Alkan und Richard Norris, die hinter ihrem „Wizard Sleeve“ eine wahres Zauberstück vollbringen.

Es bleibt die Frage, ob man sich als normalsterblicher Musikkonsument für die Reinterpretationen eines solchen Albums interessieren kann. Der Einsatz einer „Abtast-Halte-Schaltung“ erlaubt in der Physik die korrekte Wandlung bei schnell wechselnden Eingangsspannungen. Es werden für kurze Zeit analoge Werte gespeichert. Nur bei sehr langsamen Spannungswechseln kann man auf ein solche Einrichtung verzichten. Ganz ähnlich verhält es sich mit diesem Album. Die Spannung auf ein neues SMD Album wächst und ist spürbar. „Sample And Hold“ schafft es dieses Gefühl zu konservieren, aber für wie lange?


 

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