Interpret:
Shearwater
Plattentitel:
The Golden Archipelago
Label:
Matador / Beggars / Indigo
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
8.0 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 22.02.2010
Das einzige Zeichen von Leben gibt es gleich in den ersten Sekunden: Da tanzt ein Eingeborenenstamm in „Meridian“ um ein fiktives Feuer und beschwört die Geister. Vielleicht erzählen sie sich auch die Geschichte des goldenen Archipels, das in einer sagenumwobenen Welt auf den Auserwählten wartet, um endlich entdeckt zu werden. Der einzige Bewohner dieses verlassenen Paradieses ist Jonathan Meiburg, der mit seiner Band Shearwater bereits auf seinen letzten Alben immer weiter hinaustrieb in die Einsamkeit.
Nun also ein Album über das Inselleben, die Abgeschiedenheit von der Zivilisation. Doch Meiburg beschreibt keine romantisierte Form des Lebens auf der einsamen Insel unter Sonne und Palmen, sondern das genaue Gegenteil. Titelnamen wie „Hidden Lakes“, „An Insular Life“ oder „Missing Islands“ weisen musikalisch den Weg: Kargheit herrscht in den elf Songs vor, die mit hingetupften Pianoparts, langgezogenen, wehmütigen Gitarrenklängen und einem mit Schlägeln gespielten Schlagzeug eine düstere Atmosphäre erzeugen. Dazu Meiburgs lieblich säuselnde Stimme, die erschreckend nah dran ist am großen Mark Hollis, sodass man für Momente dein Eindruck gewinnt, man habe es mit einem neuen Talk Talk-Album zu tun. Eine Aussicht, die den Songs nicht schaden, sondern sie im Gegensatz noch adeln.
Einige Songs wie „Black Eyes“ oder „Corridors“ brechen aus der ruhigen Atmosphäre aus und bilden so den Gegenpol zum introvertierten Rest. Vor allem Ersterer überzeugt durch ein echoendes Klavier, das gemeinsam mit den wuchtig gespielten Drums und symphonischen Streichern ein lichterlohes Signalfeuer abgibt, das man trotz der Schwere der Instrumente kilometerweit sehen kann und das einem die Möglichkeit gibt, dieses abgeschiedene Archipel zu orten. Doch möglicherweise will der Einsiedler Meiburg das gar nicht.
Video: „Hidden Lakes“