DETAILS

Interpret:
She & Him

Plattentitel:
Volume Two

Label:
Domino / Rough Trade

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
7.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Jan Nicolai Kolorz
Köln, 06.04.2010

PLATTENKISTE

She & Him - Volume Two

She & Him - Volume Two

Wenn sich Hollywood auf musikalischem Terrain versuchen will, geht sowas gern mal in die Hose (William Shatner, Keanu Reeves, Dolly Buster). Die Liste derer geht sicher gegen unendlich. Die Liste von Schauspielern hingegen, die es hinbekommen haben anständige Musik zu machen ist weitaus kürzer (Charlotte Gainsbourg, Juliette Lewis, Brigitte Bardot). In die Reihe letzterer reiht sich die bezaubernde Zooey Deschanel ein, zuletzt bekannt aus der Indie-Romanze 500 Days (Of Summer), die gemeinsam mit dem M. Ward nun ihr zweites Album veröffentlicht. She & Him betiteln ihre Platte schlicht „Volume Two“.

Zwei Jahre nach Veröffentlichung von „Volume One“, das noch ein wenig zaghaft naiv dahinplätscherte, gelingt den beiden ein herrlich erfrischendes Reifezeugnis zwischen romantischem Autokino der 50er und country-lastigem Easy Listening. Hierbei ist zunächst Vollzeitmusiker M. Wards Gitarre verantwortlich, die sich so stilgenau in den Sound der frühen Beatles und dem Schmalz von Roy Orbison anschmiegt, ohne dass sie zur effekthascherischen Einfalt verkommt. Sowieso erinnert alles auf „Volume Two“ an eine sorglose Umwelt bar jeder Finanzkrise oder lüsterner Pfaffen. Die soziologische Funktion von Heimatfilm und Schlager sollte grundsätzlich nicht verkannt werden. Der WDR4-Faktor.

Zooey Deschanel oszilliert auf diesem Album zwischen Doris Day und Skeeter Davis, der sie nebenbei mit einer wunderbaren Coverversion („Gonna Get Along Without You Now“) gedenkt. Man sollte der Band an dieser Stelle zu unendlichem Dank verpflichtet sein, dass sie die Schönheit des Originals vor der grausamen Verunglimpfung in der Uffta-Uffta-90er-Rave-Trash-Version von Mr President aus ihrem Albtraum geholt und gerettet haben.

Einzig und allein fehlt nur noch der herrlich duftende Kirschkuchen, den Deschanel singend aus dem Ofen holt, während ihr Gitarrist sie mit Pomade im Haar am Küchentisch, die Zeitung aufgeschlagen, liebevoll angrinst. Wäre ein prima Cover geworden. Gerade „Thieves“ und „Lingering Still“ packen den Hörer in pinke Zuckerwatte, setzen ihn in einen DeLorean, der ein gutes halbes Jahrhundert zurück in einem amerikanischen Vorort-Diner halt macht. Hier sitzt man gemeinsam zwischen Haartollen und türkisen Ledergarnituren und aus dem Röhrenradio singen She & Him „I'd like to mean what I say / But it don't always come through / Cause if I say it all again again again it doesn't make it more true". Hach, mir kommen die Tränen.

Haarscharf an der Grenze zum Kitsch schaffen She & Him eine wunderbare Retro-Pop-Platte, die eher Indie-Schlager doch gewiss nicht Säuselmusik genannt werden sollte; dafür sind die Songs durch die Bank zu gut geschrieben. Und wenn doch nach mehrmaligem Hinhören von diesem charmanten und optimistischen Album zu wenig hängen bleiben sollte, gibt es She im Kino und Him auf Solotour. Die Weltdepression kann ausbrechen, ich hab die Platte.

Video: „In The Sun“

She & Him - In The Sun from Merge Records on Vimeo.


 

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