Interpret:
Sebastian
Plattentitel:
Remixes
Label:
Ed Banger / Alive
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
8.0 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Köln, 05.10.2008
Immer mitten auf die zwölf. 24 Stunden hat der Tag. Wie viele davon kann man sich mit Beballerungskommandos der Marke Sebastian um die Ohren schlagen, bevor sich das zentrale Nervensystem zu Wort meldet und einem mittels Kollaps zu verstehen gibt, man möge doch mal kürzer treten?
Die Antwort gibt einem Sebastian freundlicherweise auf seinem passenderweise „Remixes“ betitelten Streifzug durch die letzten Jahre Musikgeschichte gleich selbst: Ohne scheu und falsche Bescheidenheit wird hier so ziemlich alles durch den Ed Banger-typischen Soundwolf gedreht, bis am Ende etwas herauskommt, das nur noch Spurenelemente des Originals erhält und dem Song somit eine ganz eigene Handschrift verleiht.
Es macht dabei keinen Unterschied, ob es sich bei der Originalversion nun um „Paris Four Hundred“ von Mylo, „Cheap And Cheerful“ der Kills oder dem alten Rapture-Klassiker „Got Myself Into It“ handelt. Immer wieder überrascht einen Sebastian Akchoté mit der Kompromisslosigkeit, mit der er den Songs seine Ideen überstülpt. Wer nun aber denkt, dass „Remixes“ im Einheitsbrei zwischen Daft Punk-igem Maschinendiscofunk und dem schweinerockigen Elektro der Marke Justice versandet, kann beruhigt aufatmen. Sebastian besitzt so viel musikalisches Gespür, dass er den Songs das jeweils passende Gewand verleiht. Wie in einer Makeover-Show verschwindet „We Danced Together“ von den Rakes in der Umkleidekabine der 1000 Ideen und kommt umgestylt als schweratmende 70er Jahre-Disco-Queen heraus. Bei „Camera“ (Editors) ist vom Original nicht viel mehr als ein unverständliches Vokalsample übriggeblieben, das unbeirrt zwischen hart bretternden Robotersamples und Captain-Future-Keyboard-Fanfaren steht.
Natürlich kann Sebastian (und mit ihm selbstverständlich Ed Banger) im Moment nicht viel falsch machen. Der Sound, wenngleich stark an die alten Helden von Daft Punk angelehnt -denen mit einer leicht angemenschlichten Version von „Human After All“ der nötige Respekt gezollt wird-, ist frisch und strahlend weiß wie eine Zahnpastareklame, nur ohne das falsche Lächeln.
„Remixes“ ist eine Party, die noch eine ganze Weile andauern wird. Wie lange, kann man noch nicht genau sagen, aber mindestens bis zum regulären Debütalbum, das Anfang 2009 erscheinen soll. So lange erübrigt sich die Frage vom Anfang. Sebastian macht aus uns allen bekennende „24 Hour Party People“.