DETAILS

Interpret:
Scott Weiland

Plattentitel:
Happy In Galoshes

Label:
New West / Blue Rose

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.5 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Daniel vom Bruch
Herne, 19.01.2009

PLATTENKISTE

Scott Weiland - Happy In Galoshes

Scott Weiland - Happy In Galoshes

Scott Weiland is back. Und zwar solo. Nach seinem 98er-Werk „12 Bar Blues“ hat es über zehn Jahre gedauert, bis wir wieder von dem charismatischen Sänger hören dürfen. Zumindest als Solokünstler. Band- und drogentechnisch war ja eigentlich nie Pause bei Weiland. Sein neuestes Werk, die Doppel-CD „Happy In Galoshes“ besticht durch einen feinen Gitarrensound, der sehr nah an die üblichen 90er-Klänge angelehnt ist. Doch ab und zu wird es auch experimentiell. Insgesamt ein vollkommen gelungenes Werk. Hallo Scott, schön, dass Du wieder voll da bist.

Scott Weiland und die Stone Temple Pilots waren Anfang der 90er der Grund, warum ich eine ausgiebige Konzertkarriere eingeschlagen habe. Der Gig im E-Werk, den ich mit meiner damals 13-jährigen Schwester besucht habe, hat mich einfach umgehauen. Nicht nur die Stimmung in der wie wild pogenden Menge (ich weiß bis heute nicht, wie meine kleine Schwester das zwei Stunden durchgehalten hat) war grandios, auch das Auftreten der Band war höchst beeindruckend. Fetter Sound, Bühnenshow ohne großartigen Schnick-Schnack, angenehm freundliches Weltstarauftreten und einmal die aktuelle CD rauf und teilweise auch wieder runter gespielt.

Als mit STP dann nach fünf ziemlich guten Alben Feierabend war, war es zunächst ruhig um Weiland, bzw. nur sein viel zu ausgiebiger Heroinkonsum wurde thematisiert. Dann heuerte er als Frontmann der eher merkwürdigen Combo Velvet Revolver an. Aber in der Rolle wirkte er seltsam gehemmt und zurückhaltend. Gut, dass damit Schluss ist. Und der Sänger nun wieder auf Solopfaden wandelt. Und das tut er anscheinend sehr glücklich in Galoschen.

„Happy In Galoshes“ entstand über einen Zeitraum von neun Jahren. Weiland verarbeitet darin einige persönliche Schicksalsschläge. Allen voran der Drogentod seines jüngeren Bruders Michael, der auf der Doppel-CD bei einigen Songs als Drummer und Percussionist zu hören ist. Außerdem noch die Scheidung von Mary Forsberg. Da nimmt man Weiland den normal als Standardplattitüde fungierenden Satz „In der Platte steckt mein ganzes Herz“ voll ab. Gastmusiker sind außerdem noch die Instrumentalisten von No Doubt. Auf CD 1 legt Weiland dem entzückten Zuhörer ein melodiöses Grunge-Brett nach dem anderen vor. Der Sound erinnert angenehm an die Stone Temple Pilots, ohne abgekupfert zu wirken. Die Lieder sind interessant und mit dem ein oder anderen verstörenden Break versehen. Gegen Ende der Scheibe wird es ruhiger. Was auf CD 2 einstimmt.

Denn hier macht sich der melancholische Weiland breit. Atmosphärische Flächen, teilweise ins psychedelische gehend. Tolle balladeske Melodien. Großartig. Und dass Scott Weiland schon immer einen guten Musikgeschmack hatte, beweist er auch hier mit grandiosen Cover-Versionen von Klassikern. Nachdem er vor einiger Zeit schon mal „But Not Tonight“ von Depeche Mode und „Time Of The Season“ von The Zombies einen neuen Anstrich verpasste, interpretiert er in seinem aktuellen Werk „Fame“ von David Bowie und John Lennon. Und – noch viel gelungener „Reel Around The Fountain“ von The Smiths. Nach 19 Tracks (plus einem Secret Track) bleiben keine Wünsche offen. Ein tolles Comebach von Scott Weiland.


 

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