Interpret:
School Of Seven Bells
Plattentitel:
Disconnected From Desire
Label:
Full Time Hobby / PIAS / Routh Trade
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
8.0 von 10
Autor:
Tobias Wecker
Düsseldorf, 12.07.2010
Shoegazing trifft Elektronik, durchaus auch die der 80er-Jahre. Um es überspitzt zu formulieren: My Bloody Valentine nehmen ein gemeinsames Album mit den frühen Depeche Mode auf. Wem das etwas zu schräg vorkommt, der hat schon das erste Album „Alpinisms“ der School Of Seven Bells nicht gehört und somit ganz nebenbei eine der inoffiziellen Schönheiten des Jahres 2008 verpasst.
Im Vergleich zum Vorgängeralbum dreht die Band punktuell an einigen Schrauben ihrer Gitarren-Effektgeräte und Synthesizer und verzückt den Hörer erneut mit ihren ganz eigenen vielschichtigen Klanglandschaften. Vielleicht ist „vielschichtig“ auch das falsche Wort – so sehr verschmelzen die einzelnen Ebenen miteinander und erschaffen ein unglaublich organisches, oft verstörendes Klangbild.
Dazu passen auch die Texte, die sich dieses Mal etwas stärker im persönlichen Kosmos der Bandmitglieder aus wechselnden Beziehungen, vergehender Liebe und Veränderung im Allgemeinen bewegen. Schon im Opener heißt es „When the fire’s burnin’ from the sky to ground/ swing my weight around/ begin the windstorm.” Und so beginnt die Reise durch ein Album, das sich zwischen wunderschönen, oft verträumten Indie- Popsongs (z.B. „Bye Bye Bye“), traurigen, zerbrechlichen Balladen (besonders „I L U“, wobei das „L“ wohl nicht für „Love“ sondern für „Loved“ steht) und fast schon ekstatischer Tanzmusik mit 80er-Jahre- Beats (z.B. „Dust Devil“) bewegt.
Die Zwillinge Alejandra und Claudia Deheza haben also gemeinsam mit Secret-Machines-Gitarrist Benjamin Curtis, der das ganze auch noch in Eigenregie produzierte, erneut so ziemlich alles richtig gemacht. Vielleicht sehen wir uns ja bei den Schönheiten 2010!
Video: „Disconnected From Desire"