Interpret:
Santogold
Plattentitel:
dto.
Label:
Lizard King / Rough Trade
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.0 von 10
Autor:
Michael Weber
Köln, 19.05.2008
Im letzten Jahr begann sich eine neue, vielversprechende Karriere einer bis dahin eher unscheinbareren Künstlerin aus New York zu formen. Santi White, die ehemalige Sängerin der Band Stiffed, machte in den letzten Jahren durch ihre Songwriter-Tätigkeiten für Lilly Allen, Res und Ashlee Simpson auf sich aufmerksam und gab sich zu ihren ersten Solo-Veröffentlichungen den Künstlernamen Santogold. Ihre ersten Singles „L.E.S. Artistes“ und „Creator“ wurden zu heiß bejubelten ersten Gehversuchen im Pop. Sie hatte viele Befürworter aus den eigenen Reihen, aber es wird wohl Björks Begeisterung für ihren Song „You´ll Find A Way“ gewesen sein, die sie dann schlussendlich nach ganz oben katapultierte und im Madison Square Garden spielen ließ.
Mit ihrem selbstbetitelten Debüt liegt nun eine Ansammlung ihrer ersten Songs vor, die in vielen Genres zu Hause sein scheinen, aber trotzdem den Pop mit all seinen momentan angesagten Facetten einheitlich würdigen. Für die engere soundtechnische Prägearbeit der Platte holte sich die in Philadelphia geborene Künstlerin das Know-How eines mittlerweile universal einsetzbaren Diplos und den aufstrebeneden Hip-Hop Produzenten Disco D aka Switch mit ins Studio. Das meiste Vertrauen brachte sie aber ihrem ehemaligen Bandkollegen und Produzenten John Hill entgegen.
Die Mischung macht es vor allem in Stantogolds 11 geladenen Pop-Kraftpaketen und einem Remix. Sie spielt sich quer durch die Klanglandschaft des Dub, Reggae, Ska und Rock und klingt streckenweise wie eine weichere, ja schon zugänglichere M.I.A. Was daran liegen könnte, dass die beiden sich auch privat kennen und schätzen und sie vor allem auf dieselben Kollaborateure Diplo und Switch zurückgreifen. Gerade in den Songs „Shove It“ -welches auch ein Featuring mit Spank Rock ist- und der Hit-Single „Creator“ fällt dies mehr als deutlich auf. In „Shove It“ klingt sie vielleicht etwas mehr nach dubdurchflutetem Dancehall, doch mit ihren elektronischen Anstürmen und dem klebrigen Beats kommt sie M.I.A. schon sehr, sehr nahe. Auch „Unstoppable“ ist ein Song, den man ebenfalls auf einem M.I.A. Album erwarten könnte. Das mag gelungen sein, es ist aber doch abgekupfert.
Anders sieht es aber bei ihr mit den Songs aus, die keine wirkliche Parallele zu anderen bekannten Künstlern zulassen. In diesen Songs ist sie weniger versiert einen polternden Sound zu etablieren, als druckvolle und stürmische Pop-Nummern zu erzeugen. Power-Pop mit starkem Drang nach vorne, der vor allem durch äußerst direktes und schnörkelloses E-Gitarren-, Bass- und Schlagzeug-Spiel hervorgehoben wird. Und hier werden sich die Geister scheiden. Ihre wirklich kritische Single „L.E.S. Artistes“ ist hierfür wohl das Beispiel par excellence. So sollte aber meiner Meinung nach Popmusik klingen, anstatt sich immer wieder den selben Oberflächlichkeiten zu bedienen. Schade ist nur, dass der Song dann doch sehr einfallslos mit einem Fade-Out endet, das so gar nicht dazu zu passt. „You´ll Find A Way“ gibt dann im Refrain mit poppigen Rockeinlagen richtig Gas, während es in der Strophe wie eine Ska-Nummer klingt. Und in „Say Aha“ ist Santogold dann mit Bässen und Trompeten gänzlich im Ska angekommen.
Doch damit ist nicht genug, denn sie kann ihre Genre-Vielfallt auf ein absolutes Minimum zurückfahren und in den Songs „Lights Out“ und „I´m A Lady“ voll und ganz dem Pop in ihrer Musik zugewandt sein. Zum Glück passiert ihr das aber nur zweimal und es überwiegen die herrlichen Momente, in denen sie ihre Energie entfaltet und dem elektrifizierten Dub mit Songs wie „Starstruck“ Denkmäler setzt. Santogold hätte wahrlich das Talent in den nächsten Jahren die Popmusikszene gehörig durchzuschütteln, wenn sie aber so weiter macht, dann standardisiert sie lediglich bekannte Sounds anstatt neue hervor zu heben.