DETAILS

Interpret:
Santana

Plattentitel:
Supernatural - Legacy Edition

Label:
Sony

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
Keine Wertung

Weiterführende Links:

Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 15.03.2010

PLATTENKISTE

Santana - Supernatural - Legacy Edition

Santana - Supernatural - Legacy Edition

Ende der Neunziger wurde der Musikhörer Zeuge merkwürdigster Kollaborationen, die auf dem Papier von Anfang an zum Scheitern verurteilt hätten sein müssen. Tom Jones sang mit dem musikalischen Leichtgewicht Mousse T. ein kleines Lied namens „Sexbomb“ oder coverte mit den Cardigans „Burning Down The House“ der Talking Heads. Das Konzept, einen alternden Star, dessen Ruhm langsam verblasste, mit jungen, aktuell erfolgreichen Künstlern zu mischen, ging gerade wegen der ungewöhnlichen Duettpartner auf.

Diesen Überraschungserfolg von Jones müssen auch Santana und Produztentenlegende Clive Davis im Sinn gehabt haben, als 1999 „Supernatural“ veröffentlicht wurde. Santana war Ende der Neunziger zwar anerkanntermaßen noch immer ein „Gitarrengott“, der jedoch schon eine ganze Weile chartstechnisch keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen hatte. Für „Supernatural“ hatte sich Davis demnach eine illustre Schar angesagter Künstler ins Boot geholt. Lauryn Hill, Matchbox-20-Sänger Rob Thomas, Everlast, Wyclef Jean - längst vergessene Namen, die vor zehn Jahren jedoch noch zu den absoluten Hitgaranten zählten. Nur Eric Clapton lässt einen auch heute noch leicht mit der Zunge schnalzen.

Warum genau „Supernatural“ Santanas größter kommerzieller Erfolg wurde und sich bis heute über 25 Millionen Mal verkauft hat, lässt sich schwer analysieren. Zwar merkt man Santana die Spielfreude in jedem Gitarrensolo an, doch wirkt er in den Songs meistens selbst wie ein Gaststar auf einem fremden Album. Der Gitarrenriff im totgespielten Hit „Smooth“ wirkt auch heute noch wie ein draufgeklatschtes Sample aus besseren Tagen Santanas. „Maria Maria“ ist ein schmieriger Latino-Schlager, mit dem sich Produzent Wyclef Jean endgültig von seinen Fugees-Großtaten verabschiedete und sich ins kreative Abseits beförderte.

Doch nicht alles auf „Supernatural“ lässt sich dermaßen leicht abtun. Cee-Lo beweist auf „Do You Like The Way“, was für ein großartiger Sänger er bereits vor seiner Zeit bei Gnarls Barkley war und das abschließende „The Calling“ überrascht mit einem überaus mutigen, halsbrecherischen Gitarrensolo. Doch der Großteil der Songs ist dann doch auf Mainstream gebürsteter Latino-Pop, der glattgebügelt und steril produziert am Hörer abperlt wie ein Spiegelei an einer Teflonpfanne.

Die obligatorische Bonus-Disc auf der nun erschienen „Legacy Edition“ vereint bislang unveröffentlichte Alternativ-Versionen der Albumtracks sowie Songs, die es nicht auf das Album schafften. Songs wie „Bacalao Con Pan“ oder das mit Dave Matthews eingespielte „Rain Down On Me“ können dem Sound Santanas jedoch keine neuen Facetten abgewinnen und wären selbst auf dem Original-Album gefällige Mitläufer gewesen. Am ehesten weiß hier noch das Bob Marley-Cover „Exodus / Get Up Stand Up“ zu überzeugen. Aber die „aufgepeppten“ Dance-Versionen von „Maria Maria“ oder „Smooth“ waren bereits zu ihrer Veröffentlichung dermaßen altbacken, dass sie mit dem Abstand von zehn Jahren mehr denn je wie musikalische Anachronismen wirken.

Die Liner Notes Im Booklet vom Journalisten Hal Miller beschreiben einen sympathischen, aber bestimmten Carlos Santana, der sich zur Veröffentlichung des Albums heimlich wünschte, das Album möge doch bitte, mit ein wenig Glück, Platinstatus erreichen. Nein, man gönnt Santana den riesigen Erfolg, den er mit „Supernatural“ heimfuhr und von dem er heute noch zehrt. Nur verstehen kann man den Erfolg beim besten Willen nicht.


 

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