DETAILS

Interpret:
S. Carey

Plattentitel:
All We Grow

Label:
Jag Jaguar / Cargo

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
7.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Jan Nicolai Kolorz
Köln, 30.08.2010

PLATTENKISTE

S. Carey - All We Grow

S. Carey - All We Grow

Die Kopfstimme kann er schonmal. Talk Talk zu Zeiten von „Spirit Of Eden“ kennt er womöglich ebenso gut, wie damals jede Sekunde von Bon Ivers „For Emma, Forever Ago“. Der Mythos ist wahr. Nachdem Justin Vernon und sein Bruder die Songs zur Platte seinerzeit auf Myspace zugänglich machten, waren sie auf der Suche nach einem vollwertigen Mitglied und Schlagzeuger. Sean Carey hat von dem Gesuch Wind bekommen, und hörte sich zwei Wochen lang mit autistischem Feingeist und kartharsischer Ruhe die Songs des Meisterwerkes an, um Zweitstimme und Schlagzeugparts zu sezieren. Justin hat ihn abgefeiert, Sean ist seitdem bei Bon Iver.

Dass der Sound von Bon Iver nicht wie ein Taucheranzug abgestreift werden kann, weiss S.Carey, und es scheint ihn auch herzlich wenig zu jucken. Während nun Justin Vernon und sein Bruder an die Gayngs oder Kanye West denken, schreibt sich S.Carey mit intimer Andacht in die Herzen der ernsten Musik ein. Subtile Vermengung von akkustischem und elektronischem Ambient-Sound eines Mark Templeton helfen ihm ebenso bei den Arrangements wie die modalen Jazzplatten von Bill Evans oder Miles Davis. Die übliche Bastelkiste aus dem Hause Jagjaguwar, also Celli, Handclaps, verstimmte Klaviere und Holzfällerhemden, sind natürlich auch auf „All We Grow“ willkommene Accessoires. Mal stärkere, mal schwächere Lieder fließen in atmosphärisch dichten Flächen und Klangkaskaden über, bis wiederum Songstrukturen zu erkennen sind.

Das hält das dünne Eis, aus dem Melancholie in Depression überführt wird zusammen und Carey schafft es, weder dem einen noch dem anderen zuviel Gewicht zu geben. Das ist Indie-Kammermusik, wie man sie liebt. Unaufdringlich aber intim, verspielt und doch mit Konzept.


 

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