Interpret:
Royal Bangs
Plattentitel:
Let It Beep
Label:
City Slang / Universal
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
8.0 von 10
Autor:
Michael Weber
Köln, 23.11.2009
Alle guten Dinge sind bekanntermaßen drei. Nachdem bereits im Frühjahr diesen Jahres das zweite Album der Royal Bangs via City Slang bei uns erschienen ist, legen die fünf ungestümen Macher aus Knoxville, Tennessee mit „Let It Beep“ schnell nach. Zugegeben, „We Breed Champions“ ist bei uns - und damit meine ich auch Crazewire - etwas untergegangen. Nicht jeder hatte die Royal Bangs auf dem Schirm, denn zwischen Veröffentlichung und Vertragsunterzeichnung zu ihrem Zweitwerk lag eine nicht all zu lange Zeit. Darüber hinaus war „We Breed Champions“ zum Zeitpunkt der Veröffentlichung in unseren Landen schon seit einem knappen Jahr in den USA zu haben. Doch mit dem Verschlafen eines heißen Top-Acts wird hoffentlich mit dem zwölf Songs umfassenden „Let It Beep“ endlich Schluss sein.
Und dies nur am Rande: Beinahe hätte City Slang die energischen Noise-Popper selber nicht auf dem Schirm gehabt, wäre man nicht versehentlich während eines New-York-Aufenthalts anlässlich des CMJ Festivals in die falsche Bar „gestolpert“, wie in der Pressemitteilung geschrieben steht. Unter diesen Umständen kann man auch als Musikliebhaber erleichtert sein, nicht alleine fast alles verpasst zu haben. Also, alle zurück auf Start und „Let It Beep“!
Die impulsive Musik, die von der ersten Minute an aus den Boxen dröhnt, sobald man die Platte in den Player gelegt hat, setzt sich wie der mächtige „Gorilla King“ auf dem Cover aus lauter bunten Mosaiksteinchen zusammen, die gespickt sind mit Zitaten und Anleihen zeitgenössischen Indie-Power-Pops. Der rumpelnde, klimpernde und elektrifizierende Gesamteindruck der Platte wirkt wie ein gewaltiger Schmelztiegel in dem sich Les Savy Fav, Broken Social Scene, TV On The Radio, Yeah Yeah Yeahs, Los Campesinos! und Pavement wiederfinden. Vom Start weg werden sie von wummernden Synthesizern und der krachenden Mixtur aus Bass und Schlagzeug geschlagen, die „War Bells“. Ein Song, der umgehend gute Laune verbreitet und nach mehr dürsten lässt. Und siehe da, enttäuscht wird man kaum, denn den druckvolle Klang kunterbunter Wildheit behalten die Royal Bangs fast das gesamte Album über aufrecht. Alleine die ersten drei Stücke, beim erwähnten „War Bells“ angefangen über das davon preschende „Poison Control“ bis hin zum Hit „My Car Is Haunted“ zerren an einem. Und ehe man sich versieht schüttelt man seinen Körper zu den zitternden Rhythmen, die auch mal um den Klang einer Kuhglocke erweitert werden, und geladenen Melodien von „My Car Is Haunted“.
Da ist es schon fast schade, dass folgende „Brainbow“ bis auf seinen erhebenden Zwischenteil eher enttäuscht. Auf den roboterhaft verzerrten und gegenläufigen Gesangspart möchte man in diesem Song fast verzichten. Dass sie aber auch abseits vom kompositorischen Chaos begeisternde Songs schreiben können, zeigen sie mit dem an eine elektrische Version der Dodos erinnernden „E + E“. Anschließend wird aber wieder der Verzerrer für alles angeschmissen und stürmisch mit einem „Shit Xmas“ auf den Lippen nach vorne bzw. zurück in das Jahr „1993“ geeilt. Der noch ausstehende „Gorilla King“ zeigt mit seinen zwei klanglichen Gesichtern dann nochmal, wie sehr wohl die Royal Bangs hin und her gerissen sind zwischen grober Wildheit und einem einigermaßen domestizierten Stil. Doch spätestens mit den beiden Schlussnummern ist die gelegentlich auftauchende Schizophrenie wieder vergessen. „Waking Up Weird“ wird man mit den Royal Bangs und was bleibt ist ein wohlschmeckendes Gefühl, gerade ordentlich durchgeschüttelt worden zu sein. Wie das wohl live durch einen durchfahren wird?
Video: „Poison Control“ live beim Sundown In The City 2009
Royal Bangs "Poison Control" from Sundown in the City on Vimeo.