Interpret:
Roman Fischer
Plattentitel:
dto.
Label:
Vertigo / Universal
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
6.0 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 16.08.2010
Nun ist also auch Roman Fischer dem alten Angelika Express-Schlachtruf „Geh Doch Nach Berlin“ gefolgt und hat seine alte Heimat Augsburg gegen ein Leben in der Bundeshauptstadt eingetauscht. Doch Einfluss auf seine Musik scheint dieser einschneidende Schritt keinen gehabt zu haben, denn Fischer geht auch mit seinem neuen, selbstbetitelten Album konsequent den Weg weiter, den er mit seinen beiden Vorgängerwerken geebnet hat.
Eine Spur opulenter und bombastischer ist „Roman Fischer“ dabei geworden, wobei er die Songs wie ein alter Meister Schicht um Schicht ausgestaltet und hier und da Details wie barock perlende Klavierläufe einbaut. Genau hier liegt aber auch der Knackpunkt des Albums. Fischer will viel und strebt nach dem Höchsten, wenn er in Songs wie „Lightscapes“ oder „Beware“ die deutsche Antwort auf Muse sein will und dabei sein ganzes Repertoire einsetzt, als wäre er eine überdimensionale Windmaschine. Das lässt eigentlich nur zwei Möglichkeiten zu: entweder ein eindeutiger Sieg auf ganzer Linie oder ein Scheitern, ein Verglühen Ikarus‘schen Ausmaßes.
Paradoxerweise kann einem „Roman Fischer“, dieses so kompromisslos auf großgefühligen Pop ausgelegte Album, keine endgültige Antwort liefern. Auf der einen Seite hat Fischer mit „Some Other Man“ eine beschwingte Hymne geschrieben, die im Refrain sehr an Rufus Wainwrigt erinnert. Auf der anderen Seite gibt es mit „Not For Everyone“ seichten Pathos-Pop, der A-Ha mit den Smiths kombinieren will und unweigerlich Richtung Mainstream-Radio zielt. Dabei stehen Fischer die Achtziger-Referenzen eigentlich gut zu Gesicht, wie das mit allerlei synthetischen Streichern unterlegte “Let It Go“ beweist.
Somit bleibt das Album ein zweischneidiges Schwert, das zum einen Fischers Stärken, wie seinen unnachahmlichen Sinn für große Melodien, hervorhebt, andererseits aber auch knallhart die Schwächen aufzeigt. Hierzu gehört in erster Linie Fischers Stimme, die in einigen Momenten teilnahms-, fast gefühllos herüberkommt. Es scheint beinahe, als wäre Fischer dem eigenen Bombast, der eigenen Opulenz, die er mit seiner Musik schafft, stimmlich nicht gewachsen. Da hilft dann auch kein zusätzlich hinzugefügtes Hall oder Echo, wie man in „Sequels“ nachhören kann.
Trotz dieser angesprochenen Mängel ist „Roman Fischer“ beileibe kein schlechtes Album geworden. Es ist allein die Diskrepanz aus den turmhohen Erwartungen, der eigenen Zielsetzung und der nur soliden Umsetzung, die die Fallhöhe und die damit einhergehende Enttäuschung so groß erscheinen lässt.
Video: „Into Your Head“