Interpret:
Röyksopp
Plattentitel:
Junior
Label:
EMI
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
6.5 von 10
Autor:
Tristan Klocke
Hildesheim, 30.03.2009
Die erste Single-Auskopplung des neuen Rökysopp-Albums klingt verdächtig nach dem Erfolgshit „Eple“ aus dem Debüt „Melody A.M.“. Die selben Bleep-Sounds, die mit einer knatternden Synthiefläche und ein paar Vocals aufpoliert werden. Aber wenn man genauer hinhört, oder das CD-Booklet ins Kreuzverhör nimmt, dann erkennt man, dass die Melodie des Songs eigentlich den Bläsern aus „Do That Stuff“ von Parliament entliehen ist. Auch sonst sind sich Torbjørn Brundtland und Svein Berge nicht zu fein, um auf die Hilfe anderer Künstler zurückzugreifen.
Die Kollaborationsliste ist lang, neben der schwedischen Sängerin Lykke Li, die mit ihrem Erstling brillierte, tauchen unter anderem die Namen von Produzent und Electrofrickler Shinichi Osawa und Madonna in spe Robyn auf. Nun sind Zusammenarbeiten in der Electronica-Szene keine Ausnahme, sondern gehören sogar zum guten Ton. Fast wie ein Zufall wirkt deshalb die zeitgleiche Veröffentlichung des zweiten The Whitest Boy Alive-Albums vom ehemaligen Ghostwriter und Gastsänger Erlend Øye, den Rökysopp damals vom finanziellen Erfolg der Singles „Poor Leno“ und „Remind Me“ weitestgehend ausgeschlossen haben.
Nomen est omen: „Junior“ ist der kleine Bruder zum später in diesem Jahr erscheinenden Album „Senior“ und darf nach eigenen Aussagen als Frühling zum Werkzyklus gesehen werden. Wenn dem so ist, muss man sich ernsthaft Sorgen machen, ob die Band mit ihrem Sequel nicht ins downtempo Lager wechseln wird. Es ist noch eine andere Schlussfolgerung möglich, die einen, angesichts des vorliegenden Materials, ruhiger stimmen könnte, nämlich, das es sich bei „Junior“ mehr um eine Sammlung aus B-Sides und anderen verwertbaren Skizzen handelt.